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Neu aus Hamburg

Verfasst: Mo, 15.10.2007 - 21:57
von anjahh
Hallo,

nun habe ich schon so oft hier in diesem Forum herumgestöbert, dass ich nun auch gern dazugehören möchte. Denn ich kenne sonst niemanden, der so wie ich eine Skoliose hat, und verstehen kann, dass es einem damit nicht immer so gut geht.

Nun also zu meiner Geschichte:
Ich war 20 Jahre alt und hatte soeben meine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau absolviert, als mir die Idee kam doch noch was ganz anderes beruflich zu machen...am besten ohne eine noch mal 3 jährige Ausbildung. Gedacht getan saß ich also zum Informationsgespräch beim Arbeitsamt und da wurde mir gesagt, dass ich schon etwas "Körperliches" haben müßte, damit ich in meinem Alter eine Umschulung finanziert bekomme. Gut, da müßte sich doch irgendwas finden lassen und da ich durch das lange Stehen oft sehr verspannt war ging ich zum ersten mal zum Orthopäden.
Dem ist erst nicht so viel aufgefallen, da ich...zumindest von vorne...recht gerade bin. Doch von hinten gesehen sah das ganz anders aus. Also wurde meine Wirbelsäule geröntgt und es kam dabei heraus, dass ich ziemlich ausgeprägte Krümmungen habe. LWS 47° und BWS 41°.
Diesen Befund und den Antrag auf Umschulung gab der Arzt zum Arbeitsamt und dieser wurde auch sofort bewilligt. Das Arbeitsamt gab den Befund aber auch noch an die BfA und damit diese sicher sein konnte, dass ich da wirklich was am Rücken hab, wurde ich zur 4 wöchigen Kur nach Bad Iburg geschickt. Schrecklich war es dort (sogar Fernsehen war kostenpflichtig), aber nach dem täglichen Training war ich am Ende tatsächlich 3 cm größer und die Wirbel hatten sich gut aufgerichtet. Also wurde die Umschulung zur Versicherungskauffrau letztendlich von der BfA übernommen.
- Das Ganze ist nun 12 Jahre her-

Seit dem Kuraufenthalt, bei dem mir bereits gesagt wurde, ich solle zusehen so schnell wie möglich wieder so eine Intensivtherapie zu machen, habe ich nicht mehr viel getan für meinen Rücken....es war einfach immer irgendwas im Job und somit habe ich mich hauptsächlich darum gekümmert. Okay, die Beschwerden hielten sich in Grenzen und hin und wieder ging ich zum Orthopäden. Es wurde bis dahin keine Verschlechterung festgestellt. Mittlerweile habe ich allerdings öfter Migräne, ein merkwürdiges Kribbeln in den Armen und Beinen und teilweise Schmerzen beim Atmen und Asthma. Der Arzt sagte, dass es keine Verschlimmerung mehr geben würde, da ich ja ausgewachsen bin...aber so langsam geht es mir immer schlechter mit meinem Rücken. Somit habe ich morgen einen Termin beim Orthopäden. Ich würde gern wieder so eine Kur machen, da ich nach so vielen Jahren schon verlernt habe wie die Übungen nach Schroth funktionieren und ich dringend ein solches Intensivprogramm bräuchte um wieder ein "Muskelkorsett" aufzubauen an dem ich hinterher weiterarbeiten kann. Ich mache zwar Bauchmuskeltraining, fahre Rad und gehe Schwimmen....aber im Job sitze ich eben doch den ganzen Tag nur vor dem PC. Da verkümmert schnell auch der letzte Muskel :tot:
Na jedenfalls hoffe ich auf den morgigen Tag und das der Arzt die Lage genauso sieht wie ich. Ich werde ihm auch direkt die hier so oft beschriebenen Kliniken für den Antrag bei der BfA angeben. Ich bin wirklich gespannt ob ich die Kur bekommen kann :rolleyes:
Viele Grüße aus Hamburg,
Anja

Da ist guter Rat teuer

Verfasst: Di, 16.10.2007 - 09:22
von Rainer
Anjahh,

da ist guter Rat nicht einfach...in Deinem Fall haben sich viele Mitglieder des Forums dazu entschieden, als Erwachsener noch ein Korsett zu tragen, hauptsächlich um die Schmerzen in den Griff zu bekommen. Du findest hier viele Beiträge zu diesem Thema. Ggf. kann das Korsett auch "nur" Nachts getragen werden.

Mittel- und langfristig hast wirst du realistischerweise um eine OP nicht herumkommen. Es werden immer noch sehr viele Skoliose-OPs bei Patienten zwischen 30 und 50+ Jahren gemacht, die vorher mehr als alles versucht haben. Deshalb würde ich mir an Deiner Stelle wegen den vernachlässigten KG-Übungen nicht zu viele Vorwürfe machen. Du musst jetzt nach vorne schauen und Dich über alle Alternativen der Behandlung gut informieren, damit du eine passende persönliche Entscheidung treffen kannst.

Verfasst: Di, 16.10.2007 - 15:14
von anjahh
Hallo Rainer,

vielen Dank für Deine Antwort. Heute hatte ich den Termin beim Orthopäden, doch leider war nur ein Vertretungsarzt, der sich nicht so gut mit Skoliosen auskennt, da. Somit gab es einen neuen Termin bei dem Arzt der auf Skoliosen spezialisiert ist nach dessen Urlaub anfang November.
Die Möglichkeit einer Operation hatte ich immer weit weggeschoben, da die Probleme auch früher nicht so groß waren. Aber warscheinlich muss ich mich damit tatsächlich langsam anfreunden. Ich werd mich jetzt mal ein wenig schlaulesen wie so eine OP aussehen würde und wie lang man danach in etwa braucht um wieder auf die Beine zu kommen.

LG Anja

Verfasst: Di, 16.10.2007 - 23:13
von Andreas34
Willkommen im Forum! Und drücke dir mal die Daumen.

Du solltest im Büro teilweise im Stehen arbeiten

Verfasst: Mi, 17.10.2007 - 10:21
von Rainer
Anja,

du hast dich so lieb bedankt, da hab' ich glatt noch ein paar Tips für Dich:

a) egal wie es bei dir weitergeht, du solltest Dir "j e t z t" von Deinem Orthopäden ein Atest ausstellen lassen, in dem steht, dass du für das Büro einen Tisch benötigst, den man nach Belieben hochfahren kann. So kannst du z.B. stündlich zwischen stehender und sitzender Tätigkeit wechseln. Langes dauerndes Sitzen ist Gift für Deine Wirbelsäule.
Dein Arbeitgeber wird Dir dann so einen Bürotisch besorgen (muessen).

b) Wenn du schon sitzt, dann möglichst oft kerzengerade, nicht Schulter nach vorne mit Hände zum PC-Keyboard.

c) Such' Dir einen Hausarzt oder Orthopäden Deines Vertrauens uns lass' alle Berichte (z.B. Therapievorschläge von Kliniken) dorthin schicken. Du solltest immer alles in Kopie haben und der Arzt sollte sich nicht zieren Dir alle Unterlagen auch zur Verfügung zu stellen.

d) Falls du in Richtung OP tendierst und kein Erwachsenenkorsett probieren willst, mach' Dich schlau wie so eine OP jetzt oder z.B. in 10 Jahren aussehen würde. Wenn Deine Gradzahl noch zunimmt oder sich einzelne Bandscheiben durch die Krümmung jetzt stark abnutzen, muss wahrscheinlich in Zukunft viel mehr versteift werden. Trifft das nicht zu, kannst du mit der OP warten.

e) Bei der Klinkauswahl würde ich nur nach der in Aussicht gestellten Aufrichtung gehen. Restkrümmungen > 15 Grad wären in Deinem Fall Pfusch. Die Klinik sollte mehr als 500 solcher OPs im Jahr machen und die Statistik bzgl. neurologischen Ausfällen (Lähmungen) muss sehr gut sein. (z.B. < 1 Promille Querschnittslähmung).

f) Kliniken kann man sich auch ohne Termin anschauen. Man fährt einfach hin und spricht mit den Leuten die zur Nachuntersuchung kommen oder frischopoeriert ihre ersten größeren Gehversuchen in den Gängen und um das Gebäude machen. In den ersten 4 Wochen nach der OP erkennst du diese Leute von weitem - sie laufen wie Roboter herum.

g) Informier' dich nicht nur im Internet und such' alles im Google damit du an möglichst vielseitige Webauftritte kommst. Sonst wird's schnell einseitig und du verlierst den Überblick.

Das war's - mehr fällt mir grad nicht ein...

Viel Glück und Alles Gute
Rainer

Verfasst: Mi, 17.10.2007 - 20:13
von anjahh
@Andreas: Vielen Dank für Dein Willkommen :)
@Rainer:
Hallo und Danke für wieder ein so ausführliches Mail. Ich denke auch, dass ich da nichts überstürzen sollte und ich finde Deine Tipp´s bezüglich des richtigen Krankenhauses absolut klasse. Ich werde den Arzt am 8.11. ordentlich löchern und dann auch noch eine weitere Meinung einholen. Vielleicht sollte ich auch mal zu dieser Klinik (ich glaube in Neustadt) fahren um mich da untersuchen und beraten zu lassen.
Das mit dem langen Sitzen stimmt wirklich. Ich habe momentan jeden Tag mehr Probleme und allmählich so ein richtig "wackelig unsicheres" Gefühl im Rücken. Hatte ich im letzten Jahr schon mal und schon war ein Nerv eingeklemmt. So konnte ich mich drei Wochen kaum bewegen. Da ich in einem großen Konzern arbeite habe ich im letzten Jahr zumindest schon einen extra Stuhl bekommen. Allerdings auch erst nachdem ich dem Betriebsarzt meine Röntgenbilder gezeigt hab. Erst war er total von oben herab und nach dem Blick auf die Bilder eher geschockt und dann ging es plötzlich ganz schnell ;)
So ein Tisch wäre wirklich großartig, da ich manchmal echt nicht weiß wie ich noch sitzen soll. Na ich werd mal sehen was ich da bewegen kann.
Ich wünsche Dir noch einen schönen Abend!!
LG Anja

Verfasst: Mi, 17.10.2007 - 20:27
von Clawi
Hallo Anja!

Herzlich Willkommen und viel Spaß!

Gruß Anna