Scheuermann ohne Schroth & Korsett

Hier kann sich jeder, der möchte, kurz vorstellen und was über sich, seine Diagnose und/oder Therapie schreiben.
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Zwergpottwal
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Diagnose: M. Scheuermann
Therapie: Klappsches Kriechen (7 Jahre lang, 1 mal pro Woche)

Scheuermann ohne Schroth & Korsett

Beitrag von Zwergpottwal »

Hallo Zusammen,

Da ich schon recht alt bin, ist mein Text auch etwas länger, dafür ist der Weg auch ein völlig anderer als heutzutage:
Meine Geschichte beginnt ca. 1969 als bei mir im Alter von 7 der M. Scheuermann diagnostiziert wurde. Grund für diesen Termin war eine endlich richtige Diagnose für die Probleme meines Vaters, wegen Schmerzen im Brustkorb, deren Odysee damit dann doch ein Ende fand. Als männlicher Nachkomme wurde ich gleich zur Untersuchung zitiert und positiv befundet, meine Schwester war zu jung, hat aber auch einen S. entwickelt, der aber erst sehr viel später dann bekannt und behandelt wurde. Die Untersuchung bestand hauptsächlich im Bemalen meines Rückens mit Kuli und einigen Rumpfbeugen. Über Röntgenbilder, welcher Art auch immer, ist mir nichts aus dieser Zeit bekannt. Der Moment mit dem in Abstand größten Auswirkungen war die Situation als der Örthopäde salbungsvoll mir den Satz einprägte "den Rücken schonen, nicht schwer tragen" (blöderweise hat der kleine Junge damals sich auch noch daran gehalten). Immerhin wurde beim mir etwas gegen den S. unternommen, mein Vater bekam höchstens ein paar Massagen ("zu alt, kann man nix mehr tun"). Ich durfte mich mit dem Klappschen Kriechen meinem S. stellen. Die erste Stunde war heftig das Rutschen mit den Filzlappen an Händen, Knien und Füßen ist nur auf den ersten Blick harmlos, am nächsten Morgen hatte ich einen derartigen Muskelkater im Rumpf, dass ich mich zum Aufrichten an den Möbeln festhalten musste. Ab dann gab es einmal die Woche diese KG im Dauerzustand, mit gelegentlichen Unterbrechungen ungefähr 7 Jahre lang. Ohne Änderung oder vernünftige Nachkontrolle. Das "nicht belasten"-Mantra hatte aber besser gewirkt, trotz der KG war der Rücken total schlapp mit entsprechender "schlechter" Haltung. Es tat ja auch andauernd etwas weh und Belastungen waren kaum möglich (u.a. einige Einschränkungen im Schulsport). Immerhin hatte ich zu dieser Zeit gerade die Standard-Tänze als Hobby entdeckt und begann wenigstens minutenweise an meiner Haltung zu arbeiten.
Irgendwann waren wieder neue Rezepte notwendig und bei einem Arztbesuch (immer der Gleiche) wurde ich geröngt und bekam die Auskunft mein S. wäre jetzt stabil. Auf meine Verwunderung und den Verweis auf meine Schmerzen bekam ich zur Antwort "der S. wäre jetzt stabil", auch weitere Fragen, was man denn gegen die Schmerzen unternehmen könne, wurden alle mit genau der gleichen Phrase beantwortet. Ich stand "im Regen" und konnte zusehen wie ich eben alleine klarkam.
Als ich später mein Hobby zu Jazztanz wechselte, hatte ich endlich eine Waffe gegen die ständig wiederkehrenden Schmerzen in der Hand und konnte so in vielen Nächten mit einer Stunde Dehnungsübungen den Rest der Nacht für den Schlaf retten. Dann kam langsam der Tag der Musterung und ich besuchte wieder genau jenen Orthopäden, der die erste Diagnose gestellt hatte und bat um ein Attest (er hatte ja auch mindestens ein Röntgenbild). Als Antwort bekam ich zuerst ein äußerst motivierendes "Kerl wie ein Baum, will sich drücke" und dann hat diese Fachkraft vor dem Herrn mittels seiner Unterlagen und Bilder, die reichten mich jahrelang zur KG zu schicken, allen Ernstes behauptet ich hätte keinen S. (Später habe ich ebendiese Bilder einem anderen Orthopäden vorgelegt, der dort problemlos sämtliche typischen Anzeichen gefunden hat). Wortlos.
Ein paar Jahre später hat mich der Hafer gestochen und ich wollte unbedingt auch Roch'n'Roll tanzen lernen (inkl. der Würfe!). Auch hier schlug wieder das alte "nicht belasten"-Mantra zu und ich hatte trotz respektabler Größe zuerst keineswegs die Kraft meine Tanzpartnerin zu heben. Nachdem ich erst einige Überlastungseffekte durchstehen musste, wurde es dann aber deutlich besser und sowohl die Hebefiguren wurde akzeptabel, wie auch die bis dahin nie abgebrochenen Rückenschmerzen ! Ok, R'n'R ist sicher kein leichter und sanfter Einstieg in das Krafttraining aber es kann funktionieren. Leider war eine Überlastung (nicht des Rückens) dann doch das Ende der R'n'R-Akrobatik und ich fand etwas später eine (Adagio- oder Parterre-) Akrobatik-Gruppe an der Uni (dabei muss man nicht ständig wie wild herumhüpfen). Nach 25 Jahren Akrobatik habe ich öfters 2 erwachsene Personen auf den Schultern und bekomme eher dann Probleme, wenn ich nicht genügend trainieren kann.

Natürlich nervt der S. immer noch, Dauerfehlhaltungen (das reale Leben) sind anstrengend bis schmerzhaft, aber ich brauche dafür keine Medikamente und komme zurecht.

Die Akrobatik kann ich bedingt empfehlen, für Leute die schon grob wissen was sie ihrem Kreuz zumuten können, die sich etwas Zeit lassen können bei der Auswahl der Übungen und die wie ich keine Lust auf das Sportstudio haben.

Grüße Zwergpottwal
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Klaus
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Re: Scheuermann ohne Schroth & Korsett

Beitrag von Klaus »

Hallo,

willkommen im Forum. Du bist nicht der Älteste. :)

Ich würde sagen, eine Situation, die nach einem neuen Thread von Dir in der Rubrik Andere Wirbelsäulendeformitäten schreit. ;)
Es lässt sich sicherlich noch viel machen.

Gruß
Klaus
Zwergpottwal
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Re: Scheuermann ohne Schroth & Korsett

Beitrag von Zwergpottwal »

Hallo Klaus,

was sollte der denn der Thread betrachten ? Gibt es eine Idee was Dinosaurier wie wir, mit unseren alten Wirbelsäulen, denn noch Neues anfangen können ? Naja wir sind doch eh alle mit unseren gewohnten Ansätzen unterwegs, die halbwegs funktionieren, sowas ändert man doch nur, wenn es unbedingt sein muss oder sehr viel bessere Übungen bekannt werden sollten. ...Aber die Macht der Routine ist nicht zu unterschätzen.

Grüße Zpw
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Klaus
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Re: Scheuermann ohne Schroth & Korsett

Beitrag von Klaus »

Zwergpottwal hat geschrieben:was sollte der denn der Thread betrachten ? Gibt es eine Idee was Dinosaurier wie wir, mit unseren alten Wirbelsäulen, denn noch Neues anfangen können ?
Aber natürlich. Du wolltest Dich doch wohl nicht nur einfach vorstellen und sagen, dass Du aus lauter Gewohnheit nichts mehr machen möchtest bzw. Dir nicht so richtig vorstellen kannst, hier konkrete Tipps zu bekommen ;) Weshalb bin ich denn hier seit 2004 mit meinen jetzigen 69 Jahren? :D

Also nur Mut, im Unterforum "Andere Wirbelsäulendeformitäten" mit gleichem Thread-Titel kurze Situationsbeschreibung und Frage, was könnt ihr mir raten? Hier in der Vorstellungsrubrik geht es nur allein um die Vorstellung, möglichst ohne weitere Fragen.

Gruß
Klaus
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