Guten Tag

Hier kann sich jeder, der möchte, kurz vorstellen und was über sich, seine Diagnose und/oder Therapie schreiben.
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Liam
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Therapie: Orthesen Behandlung Herbst 1986 bis Frühsommer 1989
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Reha Herbst 1986 in Furpach/Saar
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Guten Tag

Beitrag von Liam »

Hallo,

bisher war ich ausschließlich stiller Leser dieses Forums. Gerne möchte ich nun eine kurze Vorstellung meinerseits nachholen.

Bei mir wurde im Alter von 15 Jahren eine Scheuermann-Krankheit diagnostiziert (Herbst 1986). An den genauen Krümmungswinkel kann ich mich heute leider nicht mehr erinnern. Soweit ich mich jedoch noch erinnere, handelte es sich aber um einen Winkel von ca. 55 Grad.
Ferner wurde eine Keilwirbelbildung festgestellt.

Behandelt wurde ich damals im Uni-Klinikum des Saarlandes von Herrn Professor Heinz Mittelmeier.
http://de.wikipedia.org/wiki/Heinz_Mittelmeier

An Behandlung wurde folgendes eingeleitet :
- Orthesenversorgung (insgesamt von Herbst 1986 bis Frühsommer 1989 - also ziemlich exakt bis zum 18. Lebensjahr)
- Reha in Furpach/Saar im Spät-Herbst 1986 (diese Einrichtung stand damals, soweit ich mich noch erinnere, unter der Leitung eines Privatdozenten der Uni Klinik des Saarlandes ; an seinen Namen erinnere mich leider nicht mehr)
- Krankengymnastik bei einer Krankengymnastin in Saarbrücken (zweimal wöchentlich)
- Selbstständige Übungen, die mindestens 30 Minuten täglich zuhause auszuführen waren und mir sowohl in der Kur wie auch von der Krankengymnastin beigebracht wurden

Der Erfolg der Behandlung wurde letztmalig Mitte 1989 in der Uni-Klinik kontrolliert.
Ich erinnere mich noch, dass man damals etwas überrascht über den Erfolg war, da man mich zweimal gefragt hatte, wie ich mich beim Röntgen hingelegt hätte (ich wurde auf einer Art Bahre mit einem Gerät von oben geröntgt).

Leider kann ich auch hier nicht mehr den genauen Krümmungs-Grad wiedergeben, ich meine mich hier allerdings an einen Wert von 36 Grad zu erinnern.

Die Orthesen wurden damals von der Firma Doppler in Saarbrücken gefertigt.
http://www.doppler-online.com

Zur Familienanamnese kann ich sagen, dass mein Onkel mütterlicherseits das gleiche Krankheitsbild aufwies. Wir sind auch in etwa ähnlich gebaut ; jedenfalls in der Länge , bei mir 192 cm, bei meinem Onkel 196 cm (ich denke für jemanden der Ende der Dreißger wie mein Onkel geboren wurde, eine Ausnahme, heute schon beinahe normal).
Vom Ernährungszustand muss ich leider zu meiner Schande gestehen, dass ich heute leider leicht adipös bin (BMI 29,4), was sich generell ja nicht günstig auf die Skelettstruktur auswirkt. Zum Zeitpunkt der Diagnosestellung war dies jedoch genau umgekehrt, damals war ich ziemlich untergewichtig und eben schon sehr hoch aufgeschossen für mein Alter.

Bis heute bereitet mit die Erkrankung in ihrer eigentlichen Form keine Beschwerden. Auch optisch ist das Erscheinungsbild zumindestens befriedigend in dem erkrankten Bereich.

Mit 30 Jahren hatte ich einen Bandscheibenvorfall im Lendenwirbelbereich (L5 S1). Lendenwirbelvorfälle werden meines Wissens oft mit einer vorausgegangenen Scheuermann-Erkrankung in Verbindung gebracht, so dass einer der vorausgegangenen Sätze bezüglich der Schmerzfreiheit unter diesem Blickwinkel zu relativieren ist. Jedoch habe ich auch eine gute Bekannte die einen Vorfall mit 28 Jahren hatte und keine orthopädische Krankheitsgeschichte aufweist.

Der Vorfall wurde mit Infussionen, drei PRT´s, Krankengymnastik sowie einer ambulanten Reha therapiert.
Im akuten Stadium wurde ich zusätzlich mit Ibuprofen sowie opiaten Schmerzmitteln (Oxycodon in Verbindung mit Haldoperidol) behandelt.
Das Ergebnis war auch hier positiv, bis auf zeitweilge (max. zweimal im Jahr) leichte Schmerzen bin ich seit 12 Jahren beschwerdefrei.

Zur Zeit befinde ich mich nicht in Behandlung, mache keine Krankengymnastik, nehme keine Medikamente.

Bis hierher erfolgte eine, soweit mit möglich, detaillierte Schilderung meines bisherigen orthopädischen Krankheitsverlaufes.

Zur Behandlung der Scheuermann-Erkrankung in meiner Jugend habe ich bis heute eine sehr zwiespältige Meinung.

Eine Verbesserung ist unbestreitbar eingetreten.
Die Übungen und die Krankengymnastik wurden von mir sehr konsequent durchgeführt. Die Art der Übungen, ob diese nach Schroth oder ähnlichem erfolgten, kann ich leider nicht sagen. Jedoch ist Bezeichnung "Schroth" meines Wissens nie gefallen. Ich habe aber viele Übungen in der Kur und bei der Krankengymnastin an einer Sprossenwand ausgeführt. Die Übungen die ich zuhause gemacht habe waren teils auf einem kleinen Bänkchen sowie weiteren "Hilfsmittel" wie z.B. einem Expander der hinter den Rücken geführt und dort dann gedehnt wurde.
Welchen Anteil diese Krankengynmastik auf das Gesamtergebnis hatte, kann ich nicht zuordnen.

Auch bezüglich der Orthesen-Versorgung kann ich nicht zuordnen, welchen Anteil diese am Gesamtergebnis hatte.
Jedoch kann ich hierzu eines sagen, auch wenn dies gegen die nach meiner Beobachtung vorherrschende Meinung in diesem Forum verstößt, nämlich dass die Nebenwirkungen einer Orthesenversorgung im jugendlichen Alter hier unterschätzt, heruntergespielt, ausgeblendet oder sogar verherrlicht werden. Nebenwirkungen gehören oftmals zu jeder Form von Therapien und hier ist nun einmal abzuwägen, ob der Erfolg der Therapie die Nebenwirkungen rechtfertigt. Nebenwirkungen die bei einer Orthesenversorgung auftreten können!, sind neben den Schmerzen, den Hautproblemen auch ein psychologischer Impact der massiv ausfallen kann und Probleme bis weit über das Behandlungsende hinaus verursachen kann.
Ich weiß auch, dass ich mit dieser Meinung viel Gegenwind bekommen werde und ich kenne die vorherrschenden Argumente, insbesondere dass eine OP-Lösung noch viel schlimmere Folgen haben könnte!

Da es sich hierbei um eine reine Vorstellrunde handelt möchte ich solche Themen hier natürlich nicht weiter vertiefen.

Gerne werde ich dies an der passenden Stelle bei den entsprechenden Threats nachholen.

Liam
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Thomas
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Re: Guten Tag

Beitrag von Thomas »

Hallo Liam,

willkommen hier im Forum!
Liam hat geschrieben:Jedoch kann ich hierzu eines sagen, auch wenn dies gegen die nach meiner Beobachtung vorherrschende Meinung in diesem Forum verstößt, nämlich dass die Nebenwirkungen einer Orthesenversorgung im jugendlichen Alter hier unterschätzt, heruntergespielt, ausgeblendet oder sogar verherrlicht werden. Nebenwirkungen gehören oftmals zu jeder Form von Therapien und hier ist nun einmal abzuwägen, ob der Erfolg der Therapie die Nebenwirkungen rechtfertigt. Nebenwirkungen die bei einer Orthesenversorgung auftreten können!, sind neben den Schmerzen, den Hautproblemen auch ein psychologischer Impact der massiv ausfallen kann und Probleme bis weit über das Behandlungsende hinaus verursachen kann.
Du hast sicher Recht, die psychischen Auswirkungen einer Korsetttherapie bei Jugendlichen darf nicht außer Acht gelassen werden. Es kann auch durchaus notwendig werden, dass man sich, wenn die persönliche psychische Belastung durch das Korsett für den Jugendlichen zu sehr zum Problem wird, professionelle Hilfe holt.

Man darf aber auch nicht vergessen, dass sich die Art und Form der Korsetts in den letzten zwanzig Jahren sehr zum Vorteil verändert haben, und ein modernes Korsett heute viel weniger auffällt als z.B. ein damals noch recht gebräuchliches Milwaukee-Korsett.

Aber Du hast insgesamt natürlich Recht. Gerade während der Pubertät, während der das Aussehen für die Jugendlichen von enormer Bedeutung ist, stellt jedes Korsett eine psychologische Belastung dar.

Gruß Thomas
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Silas
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Re: Guten Tag

Beitrag von Silas »

... da hast Du aber echt nochmal Glück gehabt.

Zum Zeitpunkt Deines Behandlungsbeginns, habe ich mich mit der Thematik noch nicht intensiv auseinander gesetzt, von daher kann es sein, dass damals die Behandlung in der Uniklinik Homburg besser war.

Heutzutage würde ich absolut davon abraten, sich dort wegen Wirbelsäulendeformitäten behandeln zu lassen. Wesentlich besser ist es, zu Frau Sonntag in Saarlouis zu gehen, die mit Rahmouni in Stuttgart als Orthopädietechniker zusammenarbeitet.

Dein behandelnder Arzt ist, meines Wissens nach, eher auf andere Körperteile als die Wirbelsäule fokussiert.

Die Rumpforthesen von Doppler sind i.a. absolut indiskutabel.

Dass das Tragen einer Rumpforthese kein Spaziergang ist, mit Schmerzen, Flachrücken und psychischen Problemen einhergehen kann, bestreitet hier im Forum übrigens kaum einer.
"Man kann nicht beweisen, dass Gott nicht existiert. Aber die Wissenschaft macht Gott überflüssig."
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Liam
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Re: Guten Tag

Beitrag von Liam »

Hallo Thomas,
Thomas hat geschrieben:Man darf aber auch nicht vergessen, dass sich die Art und Form der Korsetts in den letzten zwanzig Jahren sehr zum Vorteil verändert haben, und ein modernes Korsett heute viel weniger auffällt als z.B. ein damals noch recht gebräuchliches Milwaukee-Korsett.
Ergänzend möchte ich noch hinzufügen, dass es sich bei meiner Orthese nicht um eine Milwaukee-Orthese gehandelt hatte.
Vielmehr war es eine Ausführung die optisch in etwa der entsprach, die auf der Wikipedia-Seite über die Scheuermann-Erkrankung abgebildet ist.
(Quelle : Wikipedia ; http://commons.wikimedia.org/wiki/File: ... brace1.jpg)

Gruß
Liam
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Força
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Re: Guten Tag

Beitrag von Força »

Hallo Liam! Willkommen im Forum!

Freut mich sehr zu hören dass du ohne Schmerzmedis gut klarkommst.

Auch deine Kritik finde ich berechtigt, Korsettterapie als Allerheilmittel oder es gar verherrlichen widerstrebt denk ich jedoch den meisten hier im Forum.
Ich persönlich habe mich als Erwachsene nochmals für ein Korsett entschieden, und das obwohl ich wirklich ungute Erfahrungen mit Korsetttherapie als Jugendliche hatte. Zu meinem Erstaunen kann ich manche Dinge nun mit Korsett viel besser, zb Sachen hochheben oder tragen (natürlich nicht all zu schwer) oder länger sitzen. Mein Hauptproblem is meine schlimme Fehlhaltung. Ich denke Korsetttherapie muss immer individuell betrachtet werden. Ich hätte meines auch mit 13 getragen, aber es korrigierte einfach nicht ausreichend und machte mir massive Probleme. Damals dachte ich mir: 'Auch wenn ich nur noch 2 Jahre ohne diesem Ding zu leben hätte - ich ziehe es nicht weiter an.' Mein neues Korsett liebe ich dagegen, und das liegt nicht daran dass ich nun erwachsen bin sondern daran dass man mir zuhörte und es gut tragbar ist. Korrekturwerte erhalte ich erst in einem halben Jahr.

Ich denke Ärzte würden gut tun auch den "kleinen" und "Teenie" Patienten zuzuhören und diesen vor allem ernst zu nehmen. Aber natürlich ist das Umfeld, die Reaktion der Eltern, etc ebenfalls sehr entscheidend. Ich habe jedoch nicht das Korsett sondern meine Skoliose als Belastung gesehen, und die werde ich nun mal nicht mehr los. Also muss ich Wege und Möglichkeiten erarbeiten damit gut klarzukommen. Ein krummer Rücken ist psychisch auch nicht wirklich aufbauend, und eine OP noch weniger.

Mich würde interessieren was dich nun dazu bewogen hat von stillen Leser zum (hoffentlich) aktiven Nutzer umzuschwenken? Bist erst kurz dabei und ich schätze deine Beiträge bereits :) Hoffe also du bleibst uns erhalten.

LG
Aktueller Verlauf mit Força carregar (Korsett)
Liam
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Re: Guten Tag

Beitrag von Liam »

Guten Tag Forca,
ein Hallo auch an alle anderen Nutzer,

zunächst möchte ich mich für die freundliche und herzliche Aufnahme in dieses Forum bedanken.

Leider kann ich nicht immer zeitnah antworten, da ich beruflich z.Zt. etwas in Anspruch genommen werde.

Gerne kann ich in diesem Vorstell-Thread noch etwas über meine Motivation wiedergeben, warum ich vom stillen Mitleser zum aktiven Nutzer umgeschwenkt bin. Ich weiß, dass die Vorstell-Runde kurz gehalten werden soll, hoffe jedoch dennoch, dass meine weiteren Ausführungen noch der Intention dieser Rubrik entsprechen, da diese noch weitere Informationen über meine Person enthalten.

Zunächst muss ich sagen, dass ich nach Abschluss der Behandlung 1989 die Problematik der Erkrankung sowie die Auswirkungen der Orthesen Versorgung auf meine Person bis auf weiteres ausgeklammert bzw. ignoriert habe. Medizinisch habe ich mich generelll erst 2001 wieder mit meiner Wirbelsäule befasst, als ich einen, wie bereits oben beschriebenen, Bandscheibenvorfall hatte. Damals hatte ich mich jedoch direkt auf dessen Behandlung fokusiert und für die behandelnden Ärzte war das bestehende Post-Scheuermann-Syndrom eher ein Nebenkriegsschauplatz, der zwar in der Behandlung angesprochen wurde, aber nicht weiter therapiert wurde.

In meinem Bekanntenkreis gibt es einen Jungen, bei dem mit 15 Jahren eine Lordose festgestellt wurde (mittlerweile ist er 16). Seine Eltern schenkten der Erkrankung keine weitere Beachtung, er selbst stammt aus einem sozial problematischen Umfeld. Ich habe dann über die allseits bekannte Suchmaschine versucht mich mit Informationen zu versorgen, um ihm eventuell ein paar Ratschläge geben zu können
Dabei bin ich auch auf diese Seite gestoßen. Ich weiß nicht mehr mit welchen Schlagwörtern ich gegoogelt hatte, jedoch bin ich wohl durch Zufall auf einem der schlimmsten Berichte in diesem Forum überhaupt gestoßen.
Das Lesen dieses Threads hat mich zeitweise sehr in Wut versetzt. Darin wurde eine hilfesuchende Mutter, die Compliance Probleme mit ihrer Orthesen versorgten Tochter schilderte, insbesondere von einer Userin, verunglimpft, geradezu beleidigt. Die Tochter wurde als dumm bezeichnet, ihre Schulbildung hinterfragt (die Sinnhaftigkeit dieser Frage entzieht sich mir bis heute), als verzogenes Gör dargestellt (ohne dass irgendjemand diese Person gekannt hat), es wurde mit für mich sehr fragwürdigen rethorischen Methoden versucht, die Aussagen der Mutter in ein schlechtes Licht zu rücken, sie als Rabenmutter hinzustellen und als Krönung gab diese Userin verschrobene Lebensweisheiten als Gott gegeben von sich, dass ich dachte ich befinde mich im finsteren Mittelalter.
Andere User, ich muss schon sagen wohl eher Glaubensjünger dieser Userin, fielen in das gleiche Stakkato ein und präsentierten sich als Gutmenschen und Moral-Onanisten ohne irgendwelche sachlichen oder praktischen Empfehlungen an die Mutter auszusprechen. Ich bewundere noch heute die Leidensbereitschaft dieser Mutter, überhaupt noch auf den Thread reagiert zu haben bzw. Antworten geschrieben zu haben.

Zugegeben der Thread war schon einige Jahre alt und als ich die neueren Beiträge betrachtet hatte ist mir aufgefallen, dass solche Ausfallerscheinungen bezüglich der vielen Beiträgen über Compliance in der Orthesen-Versorgung in jüngerer Zeit bedeutend weniger geworden sind bzw. einer eher sachlichen Diskussion gewichen sind.

Wenn ich die Zeitschiene weiter betrachte ist mir auch aufgefallen, dass diese o.g. Person und ihre ähnlich denkenden "Mitstreiter" eher nicht mehr in diesem Forum aktiv sind.

Dies war zunächst einmal die erste, wohl eher suboptimal verlaufene "Bekanntschaft" meinerseits mit diesem Forum. Beim Durchstöbern der vielen Threads habe ich sehr viele sachliche, hilfreiche und auch praxisnahe Tips und Empfehlungen bekommen, die sowohl die Lordose des o.g. Jungen wie auch meine eigene Scheuermann Erkrankung betrafen. Ich empfinde dieses Forum als hilfreich und wichtig und habe mich daher dann auch hier registriert.

Da sich der Junge meiner Bekannten z.Zt. in Behandlung befindet, ich mit meiner Scheuermann-Krankheit z.Zt. keine größeren Probleme habe, jedoch durch den o.g. Thread (und einge ähnliche) bei mir wieder das Trauma der jugendlichen Orthesen-Versorgung hochgespült wurde, werde ich es mir zunächst einmal primär zur Aufgabe machen, die Durchführbarkeit (nicht die Sinnhaftigkeit) einer solchen Behandlung kritsich zu hinterfragen und immer wieder auf deren Probleme hinweisen.

Meine Teenager-Zeit wurde mit dieser Therapieform größtenteils zerstört. Dies ist ein harter Ausdruck, den viele als überzogen bezeichnen werden, aber Ihr könnt mir glauben, dass ich ein normalerweise rational denkender Mensch bin, der mit solchen Aussagen nicht infaltionär umgeht.

Meine Eltern sind geschieden seit ich 4 Jahre alt war, aufgewachsen bin ich bei meiner Mutter, einer Frau, die ich als streng aber dennoch auch, zumindestens eingeschränkt, herzlich bezeichnen würde. Das Problem meiner Mutter sehe ich vor allem darin, dass Sie als Vollzeit-Berufstätige mit einem 15 jährigen Sohn nicht die Zeit hatte, sich intensiv über eventuelle psychische Auswirkungen der Orthesen-Therapie zu informieren. Sie hat diese in Übereinstimmung mit den Ärzten und dem in den achtziger Jahren immer noch vorherrschenden Zeitgeist, angewiesen. Ich habe mich zu dieser Zeit nach der Schule bei meinen Großeltern befunden, die über sehr große finanzielle Mittel verfügten, ich der einzige Enkel war und sie sich aufgrund der Scheidung meiner Eltern wohl auch verpflichtet sahen. Nach dem Essen dort bin ich dann meistens um die Nachmittagszeit nach Hause gegangen. Ich bin hier etwas ausführlicher, damit sich ein Außenstehender in etwa ein Bild der Situation machen kann.
Nach der Verordnung der Orthese kam neben den erheblichen Nebenwirkungen, also z.b. der Hautproblemen, eine massive Mobbing-Situation in der Schule hinzu. Es gab dort einen Schüler, nennen wir ihn Oliver, der Klassen-Bully und ich mutierte von einer zuvor eher unbeachteten Person, die nicht sehr beliebt war aber auch nicht sehr auffiel zu seinem Hauptziel. Psychisches Mobbing, körperliche Übergriffe waren an der Tagesordnung. Was er nicht tat, tat eine willige Schaar von Mitläufern. Ein Anruf meiner Mutter bei seinen Eltern brachte nichts, es wurde noch schlimmer. Die Lehrer des Gymnasiums auf das ich ging entsprachen größtenteils dem Klischee des gelangweilten, frustrierten verbeamteten Lehrers. Mobbing war erstens damals eigentlich kein Thema und zweitens war es den meisten Lehrer schlichtweg egal, sie wollten einfach ihre Ruhe haben.
Ich trug die Orthese dennoch, allerdings vor allem weil es nunmal so angewiesen war. Als ich sechzehn war eskalierte die Situation. Ich habe meinem besagten Lieblingsquälgeist zwischen der Bushaltestelle und seinem Elternhaus aufgelauert (er wohnte damals in einem Vorort von Saarbrücken) und ihn gezielt und überlegt aus dem Hinterhalt mit einer Dachlatte angegriffen. Etwas was ich bis heute nicht bedauere.
Die Verletzungen waren nicht lebensbedrohlich aber dennoch so, dass er etwas über zwei Wochen in der Schule fehlte und im Krankenhaus behandelt werden musste. Mir brachte es als über 16 jährigen Sozialstunden sowie, ich glaube 10, von der Staatsanwaltschaft verordnete Therapiesitzungen bei einem Jugendpsychologen ein.
In der Schule wurde ich nie wieder angegriffen oder öffentlich beleidigt. Der entsprechende Schüler verlies nach diesem Schuljahr (10. Klasse) die Schule.
Im gleichen Jahr im Herbst eskalierte die Situation mit meiner Mutter. Es ging um Tragezeiten der Orthese und wir haben uns verbal sehr gezofft. Sie hat mir nach all den Jahren dann während dieses Streites eine Ohrfeige verpasst.
Ich habe zurückgeschlagen. Konsequent und fest. Etwas was ich ebenfalls bis heute nicht bedauere. Ich denke jedoch es ist etwas in ihr zerbrochen in diesem Moment. Ich trug die Orthese jedoch weiter, Druck hat sie nie wieder ausgeübt, wohl auch weil sie erkannt hatte, dass ihr einfach die Möglichkeiten dazu fehlten.
Ich bin nach Ende meines Abis (damals noch 13 Jahre) mit 19 von zuhause ausgezogen. Das relativ gute Azubi-Gehalt in der Branche, in der ich heute noch tätig bin, sowie eine finanzielle Unterstützung meiner Großeltern ermöglichten mir einen ganz guten Lebensstil. In der Phase habe ich versucht einiges nachzuholen, was ich zwischen 15 und 18 verpasst hatte, teilweise exzessiv. Ich hatte während der Zeit mit der Orthese keine Freundin und keinerlei sexuelle Kontakte. Es gab eine Zeit Anfang zwanzig, da habe ich wirklich alles geholt was nicht bei drei auf den Bäumen war, Mädchen wie Jungs. Eine Sache die meine Mutter trotz der räumlichen Trennung wohl mitbekam, und sie mir noch weiter entfremdete.

Ich denke die o.g. Ausführungen waren sehr detailiert, teilweise off topic, geben aber einen relativ detailierten Einblick in mein Leben und auch die Zeit meiner Orthesen-Behandlung.

Es werden jetzt vielleicht einige Hobby-Psychologen versuchen mich zu analysieren, ich kann denen jedoch versichern, dass das nicht notwendig ist.

Alles was während meiner Jugend-Zeit schief gelaufen ist auf die Orthese zu schieben wäre unrealitisch und wirklich zu einfach. Dennoch glaube ich, dass eine Melange aus den Umständen, der familiären Situation, meiner Persönlichkeitsstruktur wie auch der psychologisch Belastung durch die Orthesen-Behandlung dazu geführt hat, dass ich mich nur ungern an diese Zeit zurück erinnere.
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Re: Guten Tag

Beitrag von Thomas »

Liam hat geschrieben:Alles was während meiner Jugend-Zeit schief gelaufen ist auf die Orthese zu schieben wäre unrealitisch und wirklich zu einfach. Dennoch glaube ich, dass eine Melange aus den Umständen, der familiären Situation, meiner Persönlichkeitsstruktur wie auch der psychologisch Belastung durch die Orthesen-Behandlung dazu geführt hat, dass ich mich nur ungern an diese Zeit zurück erinnere.
Ohne Dir nähertreten zu wollen, ich hab aus Deiner Schilderung den Eindruck gewonnen, dass Du in Deiner Jugend mit Deinem Umfeld eine Menge Probleme hattest und diese Probleme durch die Orthese sicherlich noch verstärkt wurden.

Daraus aber den Schluss zu ziehen, dass ein Korsett automatisch dazu führt, in der Schule ein Außenseiter zu sein und Probleme mit seiner ganzen Umgebung einschließlich seinem Elternhaus zu bekommen, ist glaub ich auch nicht richtig. Und diesen Eindruck erweckst Du hier gerade ein bisschen, indem Du hier von Dir auf Andere schließt.

Ein Korsett kann sich negativ auf die Psyche auswirken. Das ist auf jeden Fall richtig und sollte bei jeder Korsett-Therapie berücksichtigt werden. In besonderen Fällen - wenn der/die Jugendliche durch das Korsett massivere psychische Probleme bekommt - muss eine Korsett-Therapie auch abgebrochen werden. Aber das muss in jedem Einzelfall im Familienumfeld und in Zusammenarbeit mit den Ärzten entschieden werden.

Aber ich kenne jede Menge Jugendliche, die durch die Korsett-Therapie keine wesentlichen psychischen Probleme hatten oder haben, und wenn Du hier die Schilderungen der Teenies so durchliest wirst Du auch diesen Eindruck bekommen.

Noch eine Bitte: Wenn Du hier über negative Beiträge in der Vergangenheit schreibst, dann wäre es sinnvoll, ein Beispiel zu nennen, dass man sich selbst ein Bild davon machen kann, was Du meinst. Und es ist klar, hier im Forum gibt es viele verschiedene Meinungen, die oft nicht mit den Meinungen der Administratoren und Moderatoren übereinstimmen, die aber aus Gründen der Meinungsvielfalt natürlich trotzdem nicht gelöscht oder zensiert werden.

Gruß Thomas
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Re: Guten Tag

Beitrag von Silas »

Die Gründe, warum Menschen von anderen gemobbt werden, sind sehr unterschiedlich.
Mal ist der Behinderte dran, mal der Ausländer, der Stufenbeste, der mit der "falschen" Kleidung, der Neue, das Mädchen mit den großen Brüsten...

Allerdings denke ich nicht, dass der Schluss wenn A dann B daraus abgeleitet werden kann.

Kinder und Jugendliche können schrecklich gemein, fies und brutal sein gegenüber anderen und sie haben oft einen Instinkt dafür, mit was man dem anderen am kräftigsten treffen und wehtun kann.

Meist sind irgendwelche Äußerlichkeiten nur der Aufhänger und keineswegs die Ursache. Leider liegt es in der menschlichen Natur, sich Sündenböcke zu suchen, auf denen man herumhacken kann und leider kann das jeden treffen.

War man eben noch der beliebte Mitschüler und das Sportass der Klasse, kann man z.B. nach einem Umzug schnell derjenige sein, auf den alle einprügeln und wird z.B. im Sport vom Lehrer mies bewertet, weil man als Mädchen im Fußball viel besser ist als die Jungs...
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Re: Guten Tag

Beitrag von skoliose-gondelsheim »

Wir haben in der Praxis einige Jugendliche, die außerordentlich gut mit ihrem Kosett klarkommen und umgehen. Andere tun sich schwer; Dank der Compliance der Eltern gelingt die Korsettherapie dennoch.
Wir haben nur ein Mädchen in Behandlung, das sich konsequent weigert, ein Korsett zu tragen. Das müssen wir wohl oder über akzeptieren, auch wenn es sehr schwer fällt.

Es gibt also durchaus viele Variationen, wie ein Individuum mit seiner Erkrankung und jemand mit einer Skoliose mit seinem Korsett umgeht. JedeR wie er/sie kann oder mag.

Das, was du hier so ausführlich schilderst ist deine ganz eigene, bedauerliche Geschichte, anhand derer du dennoch nicht auf andere schließen kannst.

Grüße
Karin
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Re: Guten Tag

Beitrag von Dalia »

Hallo Liam,

ich lese dein erstes Posting jetzt erst, die nachfolgenden muss ich später nachlesen; ich glaube, für die jetzt entstandene Diskussion könnte ein Teil der Postings abgespalten und in einen neuen Thread verschoben werden?

Aber eines interessiert mich doch. Du schreibst:
Liam hat geschrieben:Ich weiß nicht mehr mit welchen Schlagwörtern ich gegoogelt hatte, jedoch bin ich wohl durch Zufall auf einem der schlimmsten Berichte in diesem Forum überhaupt gestoßen. (...) Darin wurde eine hilfesuchende Mutter, die Compliance Probleme mit ihrer Orthesen versorgten Tochter schilderte, insbesondere von einer Userin, verunglimpft, geradezu beleidigt. (...) Andere User (...) fielen in das gleiche Stakkato ein und präsentierten sich als Gutmenschen und Moral-Onanisten (...).

Zugegeben der Thread war schon einige Jahre alt und als ich die neueren Beiträge betrachtet hatte ist mir aufgefallen, dass solche Ausfallerscheinungen bezüglich der vielen Beiträgen über Compliance in der Orthesen-Versorgung in jüngerer Zeit bedeutend weniger geworden sind bzw. einer eher sachlichen Diskussion gewichen sind.

Wenn ich die Zeitschiene weiter betrachte ist mir auch aufgefallen, dass diese o.g. Person und ihre ähnlich denkenden "Mitstreiter" eher nicht mehr in diesem Forum aktiv sind.
Magst du mir in einer PN verraten, welchen Thread du erwischt hattest? Ich glaube zu wissen, welche User du meinst; möglicherweise war ich da sogar darunter. Mich interessiert das vor dem Hintergrund, welche Threads wie auf andere wirken, Wahrnehmungen können ja unterschiedlich sein und ich hinterfrage mein eigenes Verhalten als Admin auch immer wieder.

Ansonsten muss ich dir zustimmen, dass früher im Forum teilweise ein sehr rauer Wind wehte, aber teilweise wurde auch mit viel mehr Herz geschrieben. Das hat sich heute leider etwas verloren (aus meiner Sicht), es wird heute knapper und emotionsloser geschrieben. Da muss ich auch mich einschließen; ich schaffe es nicht mehr, mit demselben Engagement wie früher zu schreiben, weil mein Alltag voll ist mit Dingen und dann müssen knappe Worte genügen. Vielleicht wird das später wieder besser.

Es ist aber auch so, dass das Forum gewaltig angewachsen ist und es auch für Vielschreiber nicht mehr möglich ist, allen gleichermaßen gerecht zu werden. Früher war das hier wie eine große Familie, heute haben sich viele Grüppchen gebildet und manche hüpfen von Gruppe zu Gruppe.
Ich kann dem Leben nicht mehr Tage geben, aber dem Tag mehr Leben. (Bertolt Brecht)
meine Geschichte: Dalia wird Königin (Korsett für eine Oldie-Power-Skoliose)
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