Hallo liebe Mitglieder,
Ich möchte euch ganz kurz von meiner Behandlung erzählen, da sie sich wohl doch etwas von der Normalmethode unterscheiden dürfte. Leider weiß ich nur noch, dass ich ein Korsett hatte, da meine Eltern aber allgemein wenig gesprächsbereit sind, und mich das in meiner Jugend nicht wirklich interessierte, kann ich nur vermuten, welche Art der Behandlung ich bekam.
Also: ungefähr mit 8 oder 9 wurde bei mir eine Wirbelsäulenverdrehung festgestellt. Mein Vater war ein einfacher Arbeiter in einer Fabrik und meine Mutter betreute uns Kinder. Daher hatten wir kaum Geld. Meinen Eltern war trotzdem viel daran gelegen, uns das Beste mitzugeben. Und so rafften sie wohl (ich habe keine Erinnerungen mehr) ziemlich lange ihr Erspartes zusammen, um mir das Rückenkorsett zu ermöglichen. In Slowenien, von wo ich stamme, fand sich auch schnell ein Arzt, der mir eine anfertigte. Sie war recht einfach gehalten und ich weiß nur noch, dass sie zwar eng, grundsätzlich aber wenig störend war. Da ich schnell wuchs, bekam ich zwei Jahre später noch ein neues Korsett. Und das hatte es in sich! Fragt mich nicht nach dem Typ, aber ich habe es so abgrundtief gehasst. Ich hatte eine Kinnstütze (entschuldigt, ich kenne die dt. Begriffe nicht), die jedoch eher eine Halsstütze war, denn sie lag zwischen Halsende und Schädel, also nahe dem Kehlkopf. Das war insofern problematisch, alsdass ich den Kopf nicht wirklich ablegen konnte, ohne dass ich das Gefühl hatte, zu ersticken. Dazu kam eine Kopfstütze hinten und unterhalb des rechten Ohrs eine Art Platte, die die seitliche Drehung verhinderte. Wirklich menschenunwürdig wurde es aber durch die Schulterpads und durch die Lederriehmen im Intimbereich. Wenn ich das Korsett an hatte, wurde es damit festgezogen. Wenn ich an die Schmerzen denke, kriege ich heute noch Gänsehaut. Tja, und darin war ich für die nächsten rund 4 Jahre ein Gefangener. Ich muss zugeben, ich gewöhnte mich daran und irgendwann ließen auch die Schmerzen nach. Wegen der angesprochenen knappen Finanzlage, wurde ich dieses Teil auch nicht mehr los. Es wurde nur noch das Nötigste verbessert, rumgeschraubt und ausgetauscht. Der Kinnhalter müsste so im Alter von 13 ausgetauscht wurden sein, denn seit dem kam er von vorne, statt von hinten rum. Das war viel angenehmer, da er nicht mehr den ganzen Kopf umspannte, und ich mich "anlehnen" konnte. Bis... Meine Mutter mal wieder eine tolle Idee hatte und meinte, dass es bestimmt viel besser hilft, wenn man das Kinnpad höher stellt. Gnädig wie sie war, stellte sie es am Tag so, dass ich einigermaßen gerade gucken konnte. Sobald ich jedoch nachhause kam, wurde ich in die Mangel genommen. Das Kopfpad wurde rausgezogen und es hieß "Kopf zurück!" und es ratschte laut, soweit es hoch ging. Tja, und so verbrachte ich meine Nachmittage mehr oder weniger an die Decke schauend. Mein Bruder nutze das natürlich aus und ärgerte mich, indem er sich so stellte, das ich ihn nicht sehen konnte. Na ja, andere geschichte.
Nun hatte diese Aktion meiner Mutter nur den Nachteil, dass er sich sehr negativ auf meine Zahnstellung auswirkte. Und so bekam ich zu allem Überfluss auch noch eine Zahnspange verpasst. Jetzt hatten Sie es geschafft, mich vollständig zu entstellen. Eigentlich war die Spange nur für ein paar Monate angesetzt, da meine Eltern aber fast pleite waren und wir als Gastarbeiter nach deztdchland zogen, blieb es bis zu unserer Rückkehr fast 1,5 Jahre später so. Danach kam die Erlösung, und ich wurde daraus befreit. Was ein Gefühl! Für 4 Jahre hatte ich das teil eigentlich 24 Stunden am Tag an, denn ich wurde gewaschen (heute unvorstellbar, damals aber hat es meine Mutter durchgezogen), und wenn, dann wurde höchstens mal kontrolliert, ob noch alles schön fest sitzt.
Jetzt hab ich doch mehr geschrieben, als ich wollte. Ich schreibe es, da ich hier noch nicht von so kranken Erfahrungen gelesen habe. Für mich war das Korsett gar nicht so schlimm, die Umstände viel mehr. Das nackte Gewaschen werden als junger Erwachsener, das Fragen meiner Mutter, ob sie mir wohl die schnallen öffnen könnte, für die Toilette. Das ständige Angestarrtwerden und dass ich nie normal sitzen konnte. Man sollte meinen, damit kriegt man ein Kind kaputt. Aber ich habe es über lebt, und seit dem nie wieder ein Korsett gebraucht. Mein Rücken ist gerade, die Rollpullover für immer verbannt und etwas gutes hatte es doch: meinen Mann habe ich nur dadurch kennen gelernt und seit fast 10 Jahre leben wir jetzt in Deutschland. Danke fürs Lesen und ich hoffe, es mussten nicht viele diese Torturen überlebenden.
Meine Geschichte
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nati1611
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Re: Meine Geschichte
Hier gibt es schon Einige, die auch ein Milwaukee hatten. Ich hatte das auch und es war Horror, deswegen blende ich das auch immer aus und rede ungern darüber.brunn hat geschrieben:Ich schreibe es, da ich hier noch nicht von so kranken Erfahrungen gelesen habe.
