Seite 1 von 3
Mögliche Ursachen einer "idiopathischen" Skoliose?
Verfasst: Di, 11.03.2003 - 09:51
von lisabet
Liebe Forums-Leser,
seit die Skoliose meiner Tochter diagnostiziert wurde, beschäftigt mich immer wieder die Frage: Woher kommt das?
Die Bezeichnung "idiopathisch" finde ich äußerst unbefriedigend.
Inwiefern könnte ein Zusammenhang mit Zahnfehlstellungen bestehen? (Meine Tochter ist schon seit dem 7. Lebensjahr in intensiver kieferorthopädischer Behandlung) Warum sind hauptsächlich Mädchen betroffen? Welche Rolle spielen die Hormone? Kann das Tragen des Säuglings in Snuggly und Tragetuch mitverursachend sein?
In unserer Familie liegt zudem eine erbliche Belastung vor. Beide Male war die Schwangerschaft mit dem später Skoliose-kranken Mädchen durch intensive Trauer der Mutter überschattet. Haltet Ihr Skoliose für eine psychosomatische Krankheit (hab ich hier auch schon mal so gelesen)?
Insgesamt würde mich interessieren, wie Ihr anderen alle euch eure eigene Skoliose oder die eurer Kinder erklärt. Was kommt eurer Meinung nach als Ursache in Frage?
Bin gespannt auf eure Antworten
Elisabeth
Re: Mögliche Ursachen einer "idiopathischen" Skoli
Verfasst: Di, 11.03.2003 - 13:16
von BZebra
lisabet hat geschrieben:Haltet Ihr Skoliose für eine psychosomatische Krankheit (hab ich hier auch schon mal so gelesen)?
Insgesamt würde mich interessieren, wie Ihr anderen alle euch eure eigene Skoliose oder die eurer Kinder erklärt. Was kommt eurer Meinung nach als Ursache in Frage?
Hallo Lisabet,
idiopathisch heißt ja nur, daß die Ursache nicht bekannt ist. Das heißt dann aber noch lange nicht, daß es da keine körperliche Ursache gibt. Ich denke es ist sehr wahrscheinlich, daß es sich um irgendeine (bzw. wohl eher um mehrere) nicht bekannte körperlichen Ursachen handelt.
Um mal ein Beispiel zu nennen: Es gibt Forschungsansätze, die wärend des Wachstums entstandene Unregelmäßigkeiten z.B. im Rückenmark, Wirbelkanal, Knochen, Muskulatur als mögliche Ursachen sehen.
Bei welchem Patienten wurde denn so etwas schon einmal untersucht? Wenn so etwas die Urache ist, ist es doch eigentlich nicht verwunderlich, wenn sie nicht gefunden wird. Eine kleine Unregelmäßigkeit und ein dadurch entstehender winziger Bogen kann ja schon ausreichen, um eine sich während des Wachstums weiter verschlechternde Skoliose hervorzurufen. Für die daraufhin folgende Verschlechterung der Skoliose reicht alleine das Bestehen einer Skoliose mit ihren Strukturellen Unregelmäßigkeiten aus.
Wie ich mir die Skoliose erklären? Garnicht! Wenn eine Schaar von Wissenschaftlern und Ärzten zu dem Ergebnis gekommen sind, daß sie keine Ursache ausmachen können, kann ich mir an allen fünf Fingern abzählen, daß ich als Laie mir bei dieser Suche ebenfalls die Zähne ausbeißen werde. Die Medizin und Wissenachaft ist noch nie absolut gewesen und die Menschheit nicht allwissend. Manche Sachen wissen wir nunmal nicht. Unbefriedigend finde ich das garnicht, das ist schließlich überall in der Wissenschaft so und vollkommen normal.
Das mit den Psychosomatischen Ursache:
Möglich ist alles und es gibt ja in der Tat Psychosomatiker (die z.B. an Depressionen leiden) deren psychischer Zustand sich ganz extrem auf deren Körperhaltung auswirkt.
Ich denke jedoch eher, daß viele die Ursache gerne in psychosomatischen Bereichen suchen, weil es dort ein großes Angebot von Erklärungen, Versprechungen und Hoffnungen gibt, die Mehrzahl davon leider jeglicher Logik entbehrend à la "Das Wasser ist naß, weil heute Sonntag ist"

.
Mögliche Ursachen für ideopathische Skoliosen wären z.B.:
- Bindegewbsschwäche (haben die meisten Skoliotiker)
- Das überspringen des Krabbelns im Kleinkindalter (z.B. durch das Gehfrei) und dadurch unzureichend ausgebildete Rückenmuskulatur und Motorik
- Rachitische Knochenveränderungen durch Vitaminmangel
Ich könnte mir schon gut vorsetellen, daß das Tragen in Tragetüchern nicht unbedingt gut für den Rücken ist, weil das Kind ja in eine Position gebracht wird, die nicht natürlich ist und die es aus eigener Kraft nicht aufrecht erhalten kann und dabei in sich einsinkt und das wahrscheinlich auch noch einseitig schief, aufgrund des schief gewickelten Tuches. Das selbe gilt auch für die so rückenunfreundlichen Buggies.
Alleinige Ursache ist es aber mit Sicherheit nicht, denn sonst müssten ja alle in Tragetüchern umhergetragenen und in Buggies umhergeschobenen Kinder Haltungsschäden bekommen. Dazu müssen mit Sicherheit noch andere prädistinierende Faktoren hinzukommen.
Im Prinzip ist es doch nicht mehr so wichtig woher die Skoliose ursprünglich kam. Sie ist nunmal da und wird behandelt.
Die mögichen Urdachen spielen vielleicht mal eine Rolle bei den zukünftigen Enkelkindern. Da weiß man dann, daß der Rücken ein möglicher Schwachpunkt ist und daß das Kind gefälligst ordentlich im Vierfüßlergang zu krabbeln hat, rückengerecht aufwächst und am besten schon als Baby mit dem schwimmen anfängt. Es bekommt dann bestimmt keine Skoliose sondern irgendetwas anderes, von dem man wieder keine Ahnung hat

.
Mir ist es ehrlichgesagt lieber wenn ich weiß, daß ich etwas nicht weiß, anstatt daß ich an Lügen glaube, nur damit ich an etwas glauben kann.
So long,
BZebra
Verfasst: Do, 13.03.2003 - 08:26
von lisabet
Liebe BZebra,
vom praktischen Standpunkt aus hast du natürlich Recht, für den Skoliotiker muss eine sinnvolle Therapie im Vordergrund stehen. Dennoch finde ich die Frage nach den Ursachen sehr wesentlich, vor allem im Hinblick auf die Prävention. Nur wenn man über mögliche Ursachen besser Bescheid weiß, kann man das Entstehen von Skoliosen auch verhindern.
Dies beschäftigt nicht nur mich als Mutter, sondern auch meine zwölfjährige Tochter fragt nicht zu Unrecht: Warum gerade ich?
Und natürlich beschäftigen sich vor allem Betroffene mit allem, was mit der Krankheit zusammenhängt und sind daher auch am besten informiert.
Deshalb noch einmal meine Bitte an alle Forums-Leser:
Was wisst ihr oder vermutet ihr über die Hintergründe und ursachen eurer Skoliose? Schreibt doch etwas!
Elisabeth
Verfasst: Do, 13.03.2003 - 08:52
von sloopy
lisabet hat geschrieben:Was wisst ihr oder vermutet ihr über die Hintergründe und ursachen eurer Skoliose? Schreibt doch etwas!
Bei mir gab es für die Ursache der Skoliose immer zwei Theorien:
1. Ich bin einfach zu schnell gewachsen. Ich war immerhin mit elf schon genauso groß (?) wie jetzt und dadurch früher immer einen ganzen Kopf größer als alle anderen Kinder in meiner Klasse.
2. (Diese Theorie hat mein ehemaliger langjähriger Physiotherapeut aufgestellt): Ich hatte mit sechs Jahren einen Bänderriß im rechten Fußgelenk, welcher damals nicht operiert und mir somit jahrelang immer Probleme gemacht hat. Ich bin ständig umgeknickt und hatte jedesmal Bänderdehnung und sowas, hab also meinen rechten Fuß über Jahre hinweg immer weniger belastet als meinen linken und somit stand das Becken auch ständig schief. Logische Konsequenz -> durch den Beckenschiefstand hat sich die WS angepaßt und ist auch schief geworden.
Keine Ahnung, ob eine Theorie davon wahr sein könnte, ich habe die Frage nach dem WARUM? aufgegeben und sie beschäftigt mich auch nicht mehr.
Lieben Gruß,
sloopy
Verfasst: Do, 13.03.2003 - 09:48
von Dr. Steffan
Ich glaube über die Ursachen der Ideopathischen Skoliose habe ich schon mal was geschrieben, findes es aber nicht.
Die Dinge die man bisher weiß sind, daß ein Minderwachstum des Wirbelbogens im Vergleich zum Wirbelkörper besteht. Dadurch kommt es zu einer seitlichen Verbiegung mit Rotation der Wirbel. (Ich werde das beim Treffen mal anschaulich machen). Warum es aber zu dem Minderwachstum kommt weiß man leider nicht. Andere Ursachen wie Psyche etc. haben meiner Ansicht nach nur einen Einfluß auf die stärke der Skoliose und den Verlauf.
Dr. Steffan
Verfasst: Fr, 14.03.2003 - 13:59
von BZebra
lisabet hat geschrieben:
Dies beschäftigt nicht nur mich als Mutter, sondern auch meine zwölfjährige Tochter fragt nicht zu Unrecht: Warum gerade ich?
Hallo Lisabet,
wenn Du Deiner Tochter z.B. einen Keilwirbel als Grund für ihre Skoliose anbieten könntest, dann würde sie wahrscheinlich genauso fragen: "Warum habe gerade ich einen Keilwirbel?"
Ich glaube die Frage ist so nicht beantwortbar. Versuch ihr doch mal zu verdeutlichen, sie diese Frage nicht weiter bringt und daß sie mehr das Positive in der Sache sieht. "Das Glas ist nicht als halb leer sondern halb voll.
Sie hat doch wirklich Glück "nur" mittelstarke Skoliose zu haben und auch noch jung genug zu sein, um sie wieder zu begradigen.
Dann hat sie noch so eine tolle Mama, die sich für sie durchs Internet wühlt und sich dort zu informieren, sie dann zu Rahmouni bringt und zu einer Kur; ihr also alles geboten wird. Da kann man neidisch drauf sein. Sie weiß das bestimmt nicht richtig zu schätzen.
Liebe Grüße,
BZebra
Verfasst: Fr, 14.03.2003 - 15:10
von Toni
Hallo lisabet
Verzeih daß ich mich als Kyphotiker in die Idiopatho-Diskussion einmische. Meine Kyphose hat eine klare Ursache: Morbus Scheuermann. Und warum diese Wachstums-Knorpelanteil-Minderwertigkeit entstanden ist ist auch wieder "idiophatisch". Ich denke als Biloge und sage: Niemand kann seinen Genen entfliehen. Erbliche Veranlagung ist sicher ein sehr wichtiger Faktor.
Zu der durchaus philosophischen Frage die sich JEDE/JEDER bei JEDER Krankheit stellt "Warum gerade ich?" würde Sokrates sicher in seiner legenddären aber konsequenten Ironie zurückfragen: "Warum gerade ich NICHT?"
"Welchen Grund sollte es geben, daß ich gerade verschont bleibe?"
Man kann manchmal zielführender philosophieren wenn die Frage andersrum gestellt wird.
Ich habe schon viele ernste Krankheit und grauenhafte Schmerzen erlebt in meinem Leben. Rückwirkend betrachtet sehe ich es positiv. All dies macht reifer, klüger, geduldiger, menschlicher, dankbarer, liebevoller und bewusster.
Das mit den Babytragetüchern würde ich mir an Deiner Stelle als rückwirkenden Selbstvorwurf ganz schnell abhaken! Denk mal dran wie die Afrikanerinnen und andere naturnäheren Völker sich ihre Babys mit Tüchern auf den Bauch und an den Rücken schnallen und dann den ganzen Tag in der Kaffeeplantage oder Bananenplantage hacken und arbeiten mit Kind am und im Leib. Die Babys pennen seelenruhig wärend die Mutter Maniok stampft! Dann wäre ganz Afrika voller schwerster Skoliosen und Kyphosen! In Wirklichkeit haben dei Massai und Nuba (die auch ihre Kinder in Tüchern umschnallen) super Figuren und sagenhafte WS!
Ich finde das "Ablegen und Niederlegen" und alleinlassen von Babys und Kleinkindern in Wiegen, superdesingten Kinderwägen usw... und den zu geringen Körperkontakt und Mutter-Kind-Kontakt in diesen Phasen der Kindheit für viel gravierender als die Wahrscheinlichkeit einer Skoliose-Initiierung.
Gruß Toni
Verfasst: Fr, 14.03.2003 - 15:48
von BZebra
@ den Biologen Toni
1.) In Afrika herrscht aufgrund der wesentlich härteren Lebensbedingungen eine größere Selektion. Die Menschen dort dürften aufgrund dessen wohl die besseren Gene haben.
2.) Wenn Du da von einem besonders guten Gesundheitszustand sprichst. Wie hoch ist dort nochmal die Lebenserwartung?
Ich denke der Vergleich hinkt ganz gewaltig.
Verfasst: Fr, 14.03.2003 - 21:53
von Toni
@ die Biotechnologin BZebra
1. Wenn Menschen in Afrika wegen des höheren Selektionsdruckes die besseren Gene haben, dann wäre Skoliose wohl eine zivilisatorisch-degenerative Erkrankung?Wie kommt es aber, daß Ferkel, Kälber sogar Forellen immer wieder Skoliose haben?
2. Man kann in Afrika an HIV, Malaria, Schlafkrankheit, Cholera, Amöbenruhr, Lhassa-, Dengue-, Ebola-, Marburg-Viren, an Salmonellen, Tuberkulosen, und 1000 weiteren Möglichkeiten sterben, BEVOR eine Skoliose überhaupt erkennbar wird! Das Durchschnittsalter in Afrika ist so nieder, da die Säuglingsund Kindersterblichkeit so extrem hoch ist. Das würde bedeuten, daß afrikanische Skoliotiker besonders anfällig sind und generalisiert ein schwaches Immunsystem haben und das 10 te Lebensjahr seltener bis gar nicht erreichen. Dann wäre das Tragetuch noch vor HVI die Todenursache Nr.1 in Afrika! Das ist völlig unwahrscheinlich, daß dort besonders die unendlich vielen Tragetuch-induzierten SkoliotikerInnen verstärkt letal sind und daher "vorzeitig" ausselektiert werden.
Ich denke, daß Du ein etwas zu schwarzes Afrika-Bild hast. Kein Wunder- wir sehen ja nie das normale Afrika.
Ich bin sehr überzeugt davon, daß das tragen von Babys in Tragetüchern am Körper KEINE späteren Skoliosen verursacht oder deren Entstehung begünstigt. Interessant wäre eine Untersuchung, bei der traditionelle Tragetuchländer Afrika/Indien, mit Kinderwagenländern (Europa/Amerika) und den Völkern die ihre Babys auf Bretter bandagiert haben(Indianer, Inuits und Sibirier). Russen haben bis vor wenigen Jahren die Babys ohne Brett stramm gewickelt!
Wo wohl mehr Skoliosen pro 1000 Einwohner vorkommen?
Das wäre schon spannend.
Gruß Toni
Verfasst: Sa, 15.03.2003 - 10:34
von BZebra
@ den Biologen Toni
Bist Du der Überzeugung, daß es in Afrika - bei den Naturvölkern, von denen Du sprichst - in der Bevölkerung genausoviele genetisch eine Skoliose begünstigende Faktoren gibt wie in den Industriestaaten (sei es z.B. eine Bindegewebsschwäche)?
Für das entstehen einer WS-Deformität ist i.d.R. nicht nur ein einziger Faktor verantwortlich, es sind mehrere.
Bei einer funktionierenden Evolution wirkt sich jedoch nahezu jeder körperliche Mangel nicht nur für das eigene Überleben sondern auch für das der Nachkommen negativ aus. In Familien in denen WS-Deformitäten gehäuft auftreten gibt es sowohl schwere als auch minderschwere Fälle.
Unser aller Existenz wäre unter den geleichen harten Lebensbedingungen sehr in Frage gestellt, weil der ein oder andere unserer Ahnen schon vorzeitig den Löffel abgegeben hätte. Und das wiederum auch nicht notwendigerweise aufgrund eines einzelnen Faktors, auch hier sind es in der Regel mehrerer sich multiplizierende Faktoren; jeder davon trägt jedoch seinen Teil dazu bei.
Und dabei muß das noch nicht einmal heißen, daß dies schon vor der Geschlechtsreife und der Zeugung von Kindern geschehen sein muß. Ein großer Evolutionärer Vorteil ist auch das Vorhandensein von altwerdenden leistungsfähigen Großeltern, die sich um die Kinder kümmern können, während sich die Eltern ungestört um die Beschaffung der Nahrung kümmern können. Ein Kind welches mangels der schon frühzeitig verstorbenen oder erkranketen und nicht mehr leistungsfähigen Großeltern in solchen Situationen allein gelassen werden muß, hat z.B. wesentlich geringere Überlebenschancen, weil es nicht in der Lage ist Gefahren zu erkennen (abgestürzt, erschlagen, ertrunken, vergiftet, ...). Diesen Grund vermutet man auch für die höhere Lebenserwartung des weiblichen Geschlecht (wegen der klasische Rollenverteilung). Das Altwerden der Großmutter, die sich vorwiegend um Kindererziehung, Haushalt, Essenszubereitung u.d.G . kümmert ist von größerem Vorteil als das des Großvaters, der mehr außerhalb der Behausung tätig ist (Jagd).
In der Evolution hat sich aufgrung verschiedener Vorteile eine bestimmte Körperform behauptet (die Norm). Abweichungen von dieser Körperform müssen also zwangsläufig von evolutionärem Nachteil sein, denn sonst hätte die Normale Körperform keine Vorteile gehabt und hätte sich auch nicht herauskristallisiert.
Im Übrigen ist auch die durchschnittliche Lebenserwartung derjenigen, die nicht schon im Kindesalter verstorbenen sind, wesentlich geringer als die in den Industriestaten (also nur 2. Peak betrachtet).
Zum Tragetuch. Ich habe natürlich nicht die Statik analysiert, die ein Kind in einem Tragetuch einnimmt. Es ist aber bekannt, daß z.B. das Sitzen in einem Alter, in dem das Kind diese Position nicht selbständig einnehmen kann, nicht gerade gut ist. Da wirkt eine Schwerkraft auf den Körper, für den der Körper noch nicht weit genug entwickelt ist.
Aber von Gehfreis kann ich Dir definitiv sagen, daß sie extrem rückenschädigend sind.
LG,
BZebra
Verfasst: Sa, 15.03.2003 - 21:22
von Toni
Hallo BZebraWas ist ein Gehfreis?
Warum werden Mädchen mehr in Babytragetüchern herumgeschleppt als kleine Jungs? Oder wirken sich die Babytragetücher beiu Jungens mehr sagittal und in bezug auf Scheuermann aus der bei männl. verstärkt vorkommt?
Die vergleichende Epidemiologie könnte interessante ergebnisse bringen. Wie häufig kommt Skoliose/Kyphose in verschiednen Völkern/Stämmen/Nationen/ Kulturkreisen vor? Was läuft da jeweils anders bei der Nachwuchsaufzucht?
Wann werden die Gensquenzen eindeutig identifiziert, die für das WS-Wachstum und die Wachstumssteuerung zuständig sind?
Aber vorläufig bleiben wir alle noch ein wenig "Idiopathisch".
Ich denke aber oft an die vielen Kinder da draußen, die WS-Probleme haben und die keine vernünftige Behandlung, keine SCHROTH-Therapie, Kein Bad Sobernheim oder Bad Salzungen, Kein Rahmouni oder auch sonst ein halbwegs vernünfiges Korsett, Keine OP...... die einfach nur bucklig werden und verkrüppeln bis sie keine Luft mehr bekommen. Das Thema macht mich sehr nachdenklich und traurig. Dr. Cheneau reist durch die ganze Welt und auch in arme Länder, hält Vorträge über konserv. Skoliosentherapie und mach Crash-Kurse bei OT´s wie man wirksame Korsett s baut. Er kann da wirklich was bewirken!
Ich frag mich oft was wir tun können/könnten?
Vergleichsweise gehts uns trotzaller Rücken und Schmerzproblematik "Sauguat"
Nachdenklich- Toni
Toni
Verfasst: Sa, 15.03.2003 - 22:10
von BZebra
Toni hat geschrieben:Was ist ein Gehfreis?
Gehfreis sind die Mehrzahl von Gehfrei

. Es ist ein Gestell auf Rollen, in das man ein Baby hineinsetzten kann. Die Beine baumeln durch zwei Löcher hindurch. Damit kann dann das Baby durch die Gegend laufen, obwohl es das normalerweise garnicht könnte und anstatt krabbeln würde.
Toni hat geschrieben:Warum werden Mädchen mehr in Babytragetüchern herumgeschleppt als kleine Jungs? Oder wirken sich die Babytragetücher beiu Jungens mehr sagittal und in bezug auf Scheuermann aus der bei männl. verstärkt vorkommt?
Also erstmal hab ich noch nie eine studie über die positiven und negativen Auswirkungen von Kragetüchern gelesen. Ich würde aber mal intuitiv sagen, daß die Haltung in einem Tragetuch am ehesten einer sitzenden Haltung entspricht (zumindest wenn man nicht in geubeugter Haltung einen Acker bearbeitet).
Warum der Unterschied zwischen Mädchen und Jungen?
Deswegen sage ich doch die ganze Zeit, daß es nicht ein Faktor alleine ist. Es müssen noch andere, prädistinierende Faktoren dazukommen damit sich eine WS-Deformität ausbilden kann (steht aber auch überall geschrieben). Und letztere wirst Du in 3. und 4.-Weltländern sehr wahrscheinlich wegen des höheren Selektonsdruckes wesentlich seltener antreffen, weshalb Dein Vergleich mit Deinen gesunden Buschmännern meines Erachtens nicht ganz folgerichtig ist.
Es ist hier ja auch schon öfters die Frage gestellt worden ob Kieferfehlstellungen und Sehstörungen (Kurz/Weitsichtigekit) auch mit Skoliose zusammenhängen. Meinen Augenarzt habe ich einmal gefragt, ob das etwas mit Bindegewebsschwäche zu tun hätte. Er meinte sehr wahrscheinlich ja.
Wie das mit den Kieferfehlstellungen aussieht weiß ich nicht. Aber wenn ein Mensch aufgrund Mangelnder Kauwerkzeuge schlechter Nahrung aufnehmen kann als andere, ist er was das Überleben angeht in von Hunger und Armut betroffenen Ländern nicht gerade bevorteilt, auch immunologisch gesehen, oder siehst Du das anders?
Kurzsichtige Leute

dürften z.B. beim Jagen auch wenig Erfolge zu verzeichnen haben. Bindegewebsschwäche als ein WS-Deformitäten prädistinierender Faktor wäre z.B. eine systemische "Erkrankung". Es muß nicht die daraus resultierende WS-Deformität der wichtigste oder einzige ausschlaggebende Faktor für einen evolutionären Nachteil sein, es kommen ja noch andere daraus resultierende Faktoren hinzu.
So, was machen wir jetzt mit dem Thread, verschieben in den Off-Topic Bereich?
LG,
BZebra
P.S. Ein paar meiner ehem. Kollegen (Immunologen) gehen davon aus, daß sich die Probleme in den Dritteweltländern in den nächsten 40 Jahren von alleine Lösen werden

. Harte Worte.
Verfasst: Sa, 15.03.2003 - 23:21
von Toni
Hallo BZebra - ich vergleiche nicht mit den sehr zartgliedrigen, kleinwüchsigen Kalahari-Buschmännern, schon gar nicht mit den Hottentotten und ihrer stammestypischen extremen Lordose mit "Fettverteilungsstörung" -Hottentottensteiß-
Sondern mit gesunden normalen sogar eher gut ernärten Afrikanern, wie Du sie zu Millionen in Staaten wie Kenia, Tansania, Uganda, Senegal oder Kamerun antreffen kannst. Ich habe beruflich sehr viele Afrikaner kennengelernt. Aber vieleicht haben mich als Buckligen ihre eher stolzen und aufrechten Haltungen subjektiv besonders beeindruckt! Hatte ehr nicht den Eindruck, daß sie irgendeinen Babytragetuchschaden davongetragen hatten.
Das mit der kontinentalafrikanischen HIV-Epidemie ist dramatisch und entzetzlich- bei allem Zynismus den ich selber gerne pflege- das als Lösung zder 3.-4.Weltfrage anzusehen....??????????! Puhhhh schüttel-fröstel.....innerlich kalt-frier-trauer..................
Da uns allen die wissenschaftliche Grundlage fehlt einen plausiblen Erklärungsansatz für die idiopathischen WS-Deformationen zu finden, bleiben wir in diesem Thread fast zwangläufig in unbewiesenen Hypothesen stecken.
Aber ich denke der Ausflug nach Afrika- in den Babytragetuch-Kontinent kann hier stehen bleiben, wenn wir ihn nicht weiter vertiefen!
Das Aufstellen auch von kreativen Hypothesen und Ideen zur Skoliose/Kyphose-Entstehung sollte aber durchaus erlaubt sein. Sie sollten aber klar als Hypothese oder These deklariert sein und nicht als "Wahrheit" Philosophie (und Wissenschaft überhaupt) lebt von These, Hypothese, Antithese und Synthese. Alles Zwischenschritte zur "die Wirklichkeit beschreibenden Wahrheit" im Sinne von Aristoteles.
Euer Toni
Verfasst: Do, 20.03.2003 - 10:19
von sloopy
BZebra hat geschrieben:[Sie hat doch wirklich Glück "nur" mittelstarke Skoliose zu haben und auch noch jung genug zu sein, um sie wieder zu begradigen.
Dann hat sie noch so eine tolle Mama, die sich für sie durchs Internet wühlt und sich dort zu informieren, sie dann zu Rahmouni bringt und zu einer Kur; ihr also alles geboten wird. Da kann man neidisch drauf sein. Sie weiß das bestimmt nicht richtig zu schätzen.
Ist die Frage, ob sie das mit wölf Jahren schon zu schätzen wissen sollte?! In zehn Jahren wird sie die Dinge vielleicht so betrachten wie du sie jetzt auch siehst, aber mit zwölf? Da hat man wirklich andere Dinge im Kopf- da WILL man eine Skoliose, Rahmounikorsett etc. nicht als positiv ansehen...
Verfasst: Do, 20.03.2003 - 11:52
von lisabet
Ihr Lieben,
eure Diskussion über Afrika und Tragetücher fand ich recht erheiternd, ich selbst habe meine Tochter genauso viel im Tragetuch herumgeschleppt wie meinen Sohn. Ein Gehfrei hatten wir nicht, auch hat Luisa ganz normal gekrabbelt, eine Bindegewebsschwäche ist bislang nicht erkennbar, allerdings Eisenmangel und vor allem schiefe Zähne. Luisas Großtante hat ebenfalls eine sehr starke Skoliose. Beide Male ware die betreffende Schwangerschaft von Trauer über den Tod des erstgeborenen Kindes überschattet. Das ist eine Koinzidenz, die mir zu denken gibt, was die psychosomatische Komponente betrifft.
NB:
Gestern, am 19. 3. waren wir zum ersten Mal bei Dr. Hoffmann und Herrn Rahmouni. Luisas Skoliose hat sich in dem Münchner Mistkorsett seit letztem Juli thorakal von 20 auf 36 Grad verschlechtert, lumbal nach wie vor 38 Grad. Dr. Hoffmann meint aber, mit einem Rahmouni-Korsett könnte man ihre Wirbelsäule recht gut wieder aufrichten. Jetzt geht es darum, die Krankenkasse zu überzeugen ...
Lasst Ihr eigentlich alle immer diese 3D-Untersuchung machen, die man (höchstwahrscheinlich) privat bezahlen muss?
u.A.w.g. Lisabet
Verfasst: Do, 20.03.2003 - 12:23
von sloopy
lisabet hat geschrieben:Gestern, am 19. 3. waren wir zum ersten Mal bei Dr. Hoffmann und Herrn Rahmouni.
Wann denn? Ich war auch gestern da, vielleicht haben wir uns ja im Wartezimmer gesehen?
lisabet hat geschrieben:Lasst Ihr eigentlich alle immer diese 3D-Untersuchung machen, die man (höchstwahrscheinlich) privat bezahlen muss?
Dr. Hoffmann hat im September eine bei mri gemacht und jetzt noch mal, weil die Sobernheimer meinten, ich solle Schuherhöhung tragen. Ich wollte jetzt aber mal versuchen, die Rechnung bei meiner Krankenkasse einzureichen, denn 110 Euro sind ja nicht grad wenig....
Gruß,
sloopy
Verfasst: Fr, 21.03.2003 - 10:46
von BZebra
lisabet hat geschrieben:Lasst Ihr eigentlich alle immer diese 3D-Untersuchung machen, die man (höchstwahrscheinlich) privat bezahlen muss?
u.A.w.g. Lisabet
Als Rahmouni-Korsettträger bringt das eigentlich nicht viel.
Ich hatte ja noch wesentlich mehr Grade als Deine Tochter und bei mir wurde in Sobernheim bei jeder Kur solch eine Aufnahme angefertigt, die jedesmal fürn ***** war, weil das Computerprogramm meine WS immer in die genau umgekehrte Richtung gezeichnet hat.
Das Ganze Programm richtet sich ja auch nur, wie ja der Name schon sagt, nach der Körperoberfläche, und die wird durch ein gut korrigierendes Korsett, was ordentlich drückt so sehr verändert, daß das was innen drin die krumme WS macht kaum noch was damit zu tun hat.
Röntgenaufnahmen sparen wird man damit auch nicht können. Ich bin in all den Jahren 7 mal geröngt worden, 1 dieser Aufnahmen lag noch vor dem Korsett, 2 wurden zum anfertigen des Korsetts angefertigt (vorher/ im Korsett), der Rest sind nur noch Kontrollröntgenbilder um festzustellen in wie weit die Korrektur gehalten wird, die müssten auch trotz Oberflächenvermessung gemacht werden.
LG,
BZebra
Verfasst: Mi, 02.04.2003 - 10:28
von loewin16
Hallo,
das Thema der Ursachen für Skoliosen beschäftigt mich auch sehr. Das ist der rationale Teil, der alles erklärt haben möchte und so evtl. die "Ohnmacht" nicht mehr ertagen muss. Wenn ich weiss, wo die Ursache liegt, habe ich vielleicht eher Chancen etwas gegen die Erkrankung zu unternehmen oder die Gefahr für die nachfolgenden Generationen zu minimieren.
Ich persönlich glaube, dass die Psyche bei allen Erkrankungen eine große Rolle spielt. Denn wir tragen ja z.B. alle möglichen Krankheitskeime ständig mit uns herum, werden aber nur dann krank, wenn unser Körper es nicht schafft, sie abzuwehren. Da spielen sicher verschiedene Faktoren eine Rolle (Stress, Kummer, genetische "Schwachpunkte" etc.). So stelle ich mir auch vor, dass die Disposition für eine Skoliose sicher bei vielen Menschen vorhanden ist, aber nicht alle eine hochgradige ausbilden. Eine ausgeprägte Bindegewebsschwäche ist z.B. in unserer Familie und auch bei unserer Tochter Lara vorhanden. Und es gibt in ihrem Körper ein energetisches Ungleichgewicht, dessen Ursache jedoch nicht bekannt ist.
Anscheinend gibt es in unserem Leben viele Dinge, die wir nicht erklären können, die wir hin- und annehmen müssen, wie sie sind. Ich wünsche mir für meine Lara, dass sie lernt ihre Skoliose und deren positiven Seiten anzuerkennen, um ein glückliches und erfülltes Leben zu führen!
Wenn ihr etwas über Tragetuch und Untersuchungen dazu wissen wollt, dann schaut doch mal unter afs-stillen.de nach oder fragt direkt bei Heike Drenker (
hhjpd@t-online.de), sie hält Vorträge über das Tragen.
Ich habe übrigens alle meine vier Kinder gestillt (davon die beiden Jüngeren deutlich länger als die Ältesten) und im Tragetuch getragen, aber nur Lara (unsere Jüngste) hat eine Skoliose.
Eure "Ausflüge" nach Afrika und in die Evolution fand ich übrigens sehr interessant!
Wer macht und wo kann man diese 3d-Aufnahmen machen lassen? In Sobernheim auch?
LG loewin16
Verfasst: Mi, 02.04.2003 - 10:35
von sloopy
Hallo loewin!
loewin16 hat geschrieben:Eine ausgeprägte Bindegewebsschwäche ist z.B. in unserer Familie und auch bei unserer Tochter Lara vorhanden. Und es gibt in ihrem Körper ein energetisches Ungleichgewicht, dessen Ursache jedoch nicht bekannt ist.
Bindegewebsschwäche haben wohl die meisten Skoliotiker, warum auch immer. Was mich interessieren würde- was heißt "es gibt in ihrem Körper ein energetisches Ungleichgewicht"? Was ist ein energetisches Ungleichgewicht?
loewin16 hat geschrieben:Ich wünsche mir für meine Lara, dass sie lernt ihre Skoliose und deren positiven Seiten anzuerkennen, um ein glückliches und erfülltes Leben zu führen!
Ich denke, Laras Aufenthalt in Sobernheim wird ein sehr wichtiger Schritt für dieses glückliche Leben sein. Dort lernt sie wirklich viel über die Skoliose, sieht, dass viele, viele andere Kinder auch diese Krankheit haben und lernt so, besser damit umzugehen. In Sobernheim ist ja die Skoliose das allernormalste und Lara wird eine von Vielen sein, die einen krummen Buckel haben.
loewin16 hat geschrieben:Wer macht und wo kann man diese 3d-Aufnahmen machen lassen? In Sobernheim auch?
Die 3D-Aufnahme gehört in Sobernheim zum Standard-Untersuchungsprogramm, sie wird zu Beginn von Laras Behandlung gemacht und falls nötig, auch noch mal am Ende. Während einer Reha werden allerdings die Kosten von der Krankenkasse bezahlt, nur in einer ambulanten Praxis muss man die Kosten selber tragen.
Lieben Gruß,
sloopy
Verfasst: Mi, 02.04.2003 - 14:01
von loewin16
Hallo sloopy,
die Sache mit dem "energetischen Ungleichgewicht" haben die Heilpraktikerin durch Kineosiologie, der Orthopäde durch ein chinesisches Verfahren, das ich auch nicht näher kenne, die Homöopathin und die Osteopathin bei ihren Behandlungen unabhängig voneinander festgestellt.
Im Übrigen finde ich es schon fast schwierig von unseren "abgehobenen und nicht beweisbaren Methoden" zu berichten, muss ich gestehen. Das ist ein Bereich, der nicht jede/n anspricht. Die ganz rationalen Menschen haben wohl eher Schwierigkeiten sich auf solche Dinge einzulassen.
Schade eigentlich, denn da kann man eine Menge versäumen. Aber des Menschen Wille ist sein Himmelreich.
Ansonsten Dank für die schnelle Antwort.
LG loewin16