Hallo Tanja,
das ist ein gutes Thema und es kann LEIDER keiner sagen was richtig ist und man grübelt und grübelt....
Ich bin schon ein bisschen länger in dem Thema drin, daher mal meine Erfahrungen:
tanjalasvegas06 hat geschrieben:bei mir (weiblich, 27 Jahre) wurde vorgestern in der Uniklinik Düsseldorf eine Skoliose von 48° festgestellt. Der Arzt rät mir zu einer OP, da er meint, dass ich im Alter sonst Probleme bekommen würde.
Die OP Indiakation beginnt bei spätestens 50° nach Cobb. Aber die Krümmung alleine zählt längst nicht dazu. Dazu kommen z.B, Schmerzen, Ausfallerscheinungen, erheblich Probleme mit der Optik, starke Progredienz. Viele Chirurgen sehen nur die Gardzahl und sagen OP. Aber da ist noch so viel mehr.
tanjalasvegas06 hat geschrieben: Jetzt habe ich noch im September einen Termin in der St. Georg Klinik in Hamburg, um eine zweite Meinung zu erhalten.
Das ist gut! Eine Zweit oder auch Drittmeinung ist nie verkehrt. Aber eines vorweg: Doc Niemeyer in St.Georg zählt zu den Top WS Chirurgen. Auch ich hatte schon die Ehre. Meine Skoliose Werte kannst du in meinem Profil lesen. Als er mich untersuchte war er schon mal weniger euphorisch als er sah, dass ich eine ausgeglichene Krümmung habe und daher die Optik nicht so auffällig ist. Auch er sagte mir ich solle bedenken, dass ich mit den Jahren immer mehr Probleme bekommen werde. Auf meine Frage, dass doch auch die versteifte WS nach Jahren aller Voraussicht nach Beschwerden macht, gab er mir keine Antwort mehr dazu. Das gab mir sehr zu denken! Fazit. Egal ob mit oder ohne OP, die Skoliose bleibt dir ein Leben lang erhalten. Ob mit oder ohne OP, du musst immer etwas machen. Du kannst ganz lange mit einer großen Krümmung beschwerdefrei leben oder mit wenig Krümmung ganz früh nur Probleme haben. Eine Skoliose ist so individuell wie ein einzelner Mensch und daher kann man keine 100% zuverlässige Voraussage machen.
Die Progredienz bei Erwachsenen ist wahrscheinlicher, wenn man bei Wachstumsabschluss mehr als 40° Krümmung hat. Muss aber nicht sein! Man sagt so pro Jahr kann sich eine Skoliose um 1° verschlechtern (normale Progredienz).
Mit 48° bist du absolut nicht sofort operationswürdig. Oder hast du noch mehr massive Probleme oder Erkrankungen die für die OP sprechen? Du solltest sobald dir möglich eine Reha in Bad Sobernheim oder Bad Salzungen beantragen. Dort lernst du viel über Skoliose und auch die spezielle KG nach Katharina Schroth. Die kann dir sehr helfen die Progredienz zu stoppen oder zu verzögern.
Eine OP sollte immer das letzte Mittel sein. Wenn es nicht ohne geht, dann muss es halt sein, aber nicht ohne vorher alle Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft zu haben.
Leider operieren viele Ärzte viel zu schnell...
Und das ist eine schwere OP, mit vielen Risiken. Eine versteifte WS hast du ein Leben lang. Wieviel so eine OP deine WS korrigieren kann, ist unterschiedlich und hängt von verschiedenen Faktoren ab.
Sabona hat geschrieben:Dr. Hoffmann ist wirklich ein guter Arzt. Nur sollte man wissen, dass er auch, sobald man in der OP-Indikation ist, diese empfiehlt. Und die OP malt er in den schönsten Farben, so als gebe es keine Risiken.
Wenn man dies nicht möchte, unbedingt auf konservative Maßnahmen bestehen. Dann ist er auch dazu bereit.
Das kann ich nur bestätigen! Solltest du keine OP wollen, musst du das direkt klar sagen, sonst hast du direkt einen Termin zur Kombisprechstunde mit Prof. Halm aus Neustadt. Sonst ist Dr. Hoffmann aber ein sehr guter Orthopäde und er zeigt dir auch gute Alternativen zur OP (KG, Korsett...)
tanjalasvegas06 hat geschrieben:Wie bekommt man denn eine Intensiv-Reha in Bad Sobernheim?
Ein guter Orthopäde schlägt dir diese Reha vor.
Sprich deinen Arzt an. Die Unterlagen kannst du dir über deine Krankenkasse zukommen lassen. Dort kannst du auch fragen, wer dein Kostenträger ist (Krankenkasse, DRV)
Ich hoffe ich konnte dir etwas weiterhelfen.
Viel Spass beim Lesen im Forum. Du wirst hier sehr viele Informationen zur Skoliose bekommen, die selbst viele Ärzte nicht wissen.
Gruß
bluecat