von mick » Sa, 11.06.2016 - 14:45
Hallo Unsicher,
um mal Klaus Hinweis aufzugreifen: Bei Männern mit einer geringen Skoliose ist häufig das Hauptproblem nicht die Skoliose, sondern ein Rundrücken/Hohlkreuz. Die Skoliose ist da nur eine Begleiterscheinung. Könnte das auch ein Problem von Dir sein? Wurde eine Röntgenaufnahme vom gesamten Rücken oder nur eines Teils des Rückens gemacht?
Unsicher hat geschrieben:1. Ist das vielleicht eher keine ideopatische Skoliose sondern bedingt durch die Vorschäden und der zu schwachen Rückenmuskulatur? Die geraden Rückenstrecker sind links eh deutlich stärker als rechts! Oder ist es etwa ein skoliotische Fehlhaltung? Wie könnte man das unterscheiden?
Keiner hier kann Dir per Ferndiagnose sagen, wo Deine Skoliose herkommt. Dass sich eine Skoliose aus einer Fehlhaltung entwickelt, ist typisch, auch dass die Muskulatur nicht gleichmäßig ausgeprägt ist. Dass das ISG blockiert, ist auch nicht ungewöhnlich, habe ich auch oft. Das spricht noch nicht gegen eine idiopathische Skoliose. Für die Therapie machen die Spekulationen aber auch keinen Unterschied.
Zur skoliotischen Fehlhaltung: Es ist eher eine Fehlhaltung, wenn Du Dich aus eigener Kraft korrigieren kannst.
Es gibt nur wenige Ärzte, die sich mit Skoliose wirklich gut auskennen und die wir hier empfehlen, siehe hier:
viewtopic.php?f=25&t=6472
Zur Stabilität der Skoliose:
Das kann individuell sehr unterschiedlich sein. Als Erfahrungswert gilt bei Erwachsenen, dass Skoliosen über 30° nach Cobb sich durchschnittlich um 1° pro Jahr verschlechtern und Skoliosen unter 30° eher stabil bleiben. Das kann aber im Einzelfall auch ganz anders sein. Die eigene Progredienz findet man heraus, wenn man röntgt und dann mit vorherigen Röntgenbildern vergleicht, was man allerdings aufgrund der Strahlenbelastung auch nicht so oft machen sollte. Was man zur Verlaufskontrolle noch machen kann, ist mit dem Skoliometer den Grad der Verdrehung messen zu lassen (das ist eine Art Wasserwaage, mit der der Arzt misst, um wieviel die eine Seite des Rückens stärker hervortritt als die andere), 3D-Wirbelsäulenaufnahmen machen lassen (ohne Strahlenbelastung, aber teuer und nicht so genau) oder selber Fotos vom Rücken zu machen. Das sind aber gröbere Anhaltspunkte, genau sehen kann man nur auf dem Röntgenbild.
Zur Reha:
Meiner Meinung nach läuft Dir die Reha nicht weg, auch wenn man Schroth besser in einer stationären Reha lernen kann, als ambulant mit einem Physiotherapeuten, den man ja in der Regel nur einmal in der Woche für ne knappe halbe Stunde sieht. Trotzdem kannst Du dir einen Schroth-Therapeuten suchen und es erst einmal ambulant ausprobieren.
Es gibt zwei Rehakliniken (Bad Sobernheim und Bad Salzungen), die auf Schroth spezialisiert sind und bei denen das im Vordergrund steht. Es wäre aber die Frage, ob die Skoliose der Hauptgrund Deiner Beschwerden ist, da die Skoliose recht gering ist und Du auch andere Faktoren nennst (schwache Rückenmuskulatur, Bandscheibenvorfall etc.). Vielleicht wäre da eine Rehaklinik für Dich besser geeignet, die nicht nur Schroth macht, sondern vielseitiger ist. Andererseits können auch geringe Skoliosen größere Beschwerden verursachen. Von daher würde ich mich an Deiner Stelle vor Einleitung einer Reha bei einem Spezialisten (s. oben) vorstellen.
Soforthilfe/Tipps:
Mir hilft im Büro ein Ballkissen (Sisselkissen) und möglichst viel die Sitzposition wechseln, ggf. zwischendurch aufstehen (zB beim Telefonieren o.ä.). Wenn du merkst, dass Du in Deine Fehlhaltung fällst, kannst Du ja bewusst die Position wechseln. Manchen hilft auch ein Keilkissen.
Blackroll finde ich gegen Verspannungen auch sehr gut, die kennst Du ja offenbar schon. Man kann z.B. auch einen kleinen Ball (gibt es von blackroll, aber ein Tennisball tut es auch) in die Schmerzpunkte legen und kleine Rollbewegungen machen oder mal an der schmerzenden Stelle einfach nur draufliegen.
Ansonsten hilft mir persönlich bei Verspannungen/Schmerzen Wärme in jeder Form (Wärmflasche, Kirschkernkissen, Thermacare,... ). Man kann gucken, ob man den Alltag rückenfreundlicher gestalten kann (mehr Bewegung, ordentliche Matratze, etc.).
Ich habe übrigens auch ein Korsett gegen Schmerzen (wie Matthias), aber das ist ein Hilfsmittel, dessen Einsatz gut überlegt sein sollte. Ob Dir das helfen könnte und Du bereit wärst, das in Kauf zu nehmen, müsstest Du auch mit einem Spezialisten abklären.
Gast hat geschrieben:Bin ich hier falsch?
Naja, Du kannst nicht über Nacht direkt Antworten erwarten...
Viele Grüße,
mick
Hallo Unsicher,
um mal Klaus Hinweis aufzugreifen: Bei Männern mit einer geringen Skoliose ist häufig das Hauptproblem nicht die Skoliose, sondern ein Rundrücken/Hohlkreuz. Die Skoliose ist da nur eine Begleiterscheinung. Könnte das auch ein Problem von Dir sein? Wurde eine Röntgenaufnahme vom gesamten Rücken oder nur eines Teils des Rückens gemacht?
[quote="Unsicher"]1. Ist das vielleicht eher keine ideopatische Skoliose sondern bedingt durch die Vorschäden und der zu schwachen Rückenmuskulatur? Die geraden Rückenstrecker sind links eh deutlich stärker als rechts! Oder ist es etwa ein skoliotische Fehlhaltung? Wie könnte man das unterscheiden? [/quote]
Keiner hier kann Dir per Ferndiagnose sagen, wo Deine Skoliose herkommt. Dass sich eine Skoliose aus einer Fehlhaltung entwickelt, ist typisch, auch dass die Muskulatur nicht gleichmäßig ausgeprägt ist. Dass das ISG blockiert, ist auch nicht ungewöhnlich, habe ich auch oft. Das spricht noch nicht gegen eine idiopathische Skoliose. Für die Therapie machen die Spekulationen aber auch keinen Unterschied.
Zur skoliotischen Fehlhaltung: Es ist eher eine Fehlhaltung, wenn Du Dich aus eigener Kraft korrigieren kannst.
Es gibt nur wenige Ärzte, die sich mit Skoliose wirklich gut auskennen und die wir hier empfehlen, siehe hier:
http://www.skoliose-info-forum.de/viewtopic.php?f=25&t=6472
Zur Stabilität der Skoliose:
Das kann individuell sehr unterschiedlich sein. Als Erfahrungswert gilt bei Erwachsenen, dass Skoliosen über 30° nach Cobb sich durchschnittlich um 1° pro Jahr verschlechtern und Skoliosen unter 30° eher stabil bleiben. Das kann aber im Einzelfall auch ganz anders sein. Die eigene Progredienz findet man heraus, wenn man röntgt und dann mit vorherigen Röntgenbildern vergleicht, was man allerdings aufgrund der Strahlenbelastung auch nicht so oft machen sollte. Was man zur Verlaufskontrolle noch machen kann, ist mit dem Skoliometer den Grad der Verdrehung messen zu lassen (das ist eine Art Wasserwaage, mit der der Arzt misst, um wieviel die eine Seite des Rückens stärker hervortritt als die andere), 3D-Wirbelsäulenaufnahmen machen lassen (ohne Strahlenbelastung, aber teuer und nicht so genau) oder selber Fotos vom Rücken zu machen. Das sind aber gröbere Anhaltspunkte, genau sehen kann man nur auf dem Röntgenbild.
Zur Reha:
Meiner Meinung nach läuft Dir die Reha nicht weg, auch wenn man Schroth besser in einer stationären Reha lernen kann, als ambulant mit einem Physiotherapeuten, den man ja in der Regel nur einmal in der Woche für ne knappe halbe Stunde sieht. Trotzdem kannst Du dir einen Schroth-Therapeuten suchen und es erst einmal ambulant ausprobieren.
Es gibt zwei Rehakliniken (Bad Sobernheim und Bad Salzungen), die auf Schroth spezialisiert sind und bei denen das im Vordergrund steht. Es wäre aber die Frage, ob die Skoliose der Hauptgrund Deiner Beschwerden ist, da die Skoliose recht gering ist und Du auch andere Faktoren nennst (schwache Rückenmuskulatur, Bandscheibenvorfall etc.). Vielleicht wäre da eine Rehaklinik für Dich besser geeignet, die nicht nur Schroth macht, sondern vielseitiger ist. Andererseits können auch geringe Skoliosen größere Beschwerden verursachen. Von daher würde ich mich an Deiner Stelle vor Einleitung einer Reha bei einem Spezialisten (s. oben) vorstellen.
Soforthilfe/Tipps:
Mir hilft im Büro ein Ballkissen (Sisselkissen) und möglichst viel die Sitzposition wechseln, ggf. zwischendurch aufstehen (zB beim Telefonieren o.ä.). Wenn du merkst, dass Du in Deine Fehlhaltung fällst, kannst Du ja bewusst die Position wechseln. Manchen hilft auch ein Keilkissen.
Blackroll finde ich gegen Verspannungen auch sehr gut, die kennst Du ja offenbar schon. Man kann z.B. auch einen kleinen Ball (gibt es von blackroll, aber ein Tennisball tut es auch) in die Schmerzpunkte legen und kleine Rollbewegungen machen oder mal an der schmerzenden Stelle einfach nur draufliegen.
Ansonsten hilft mir persönlich bei Verspannungen/Schmerzen Wärme in jeder Form (Wärmflasche, Kirschkernkissen, Thermacare,... ). Man kann gucken, ob man den Alltag rückenfreundlicher gestalten kann (mehr Bewegung, ordentliche Matratze, etc.).
Ich habe übrigens auch ein Korsett gegen Schmerzen (wie Matthias), aber das ist ein Hilfsmittel, dessen Einsatz gut überlegt sein sollte. Ob Dir das helfen könnte und Du bereit wärst, das in Kauf zu nehmen, müsstest Du auch mit einem Spezialisten abklären.
[quote="Gast"]Bin ich hier falsch?[/quote]
Naja, Du kannst nicht über Nacht direkt Antworten erwarten...
Viele Grüße,
mick